Region & Geschichte in der Region Codru

Cricova & Mileștii Mici

Region & Geschichte

Ein Krümel Ton verriet es. Nahe dem Dorf Rusești Noi im Bezirk Ialoveni, mitten im Gebiet, das man heute Codru nennt, fanden Archäologen eine Tonscherbe mit dem Abdruck eines Traubenkerns aus dem vierten Jahrtausend vor Christus. Rebenkult ist hier also keine Erfindung des Marketings, sondern älter als jede Schrift, die davon berichten könnte.

Unter den Hügeln von Codru liegt Kalkstein, und Menschen brachen ihn seit dem fünfzehnten Jahrhundert heraus, um damit Chișinău zu bauen. Die Stollen bei Cricova wuchsen über Jahrhunderte zu einem Labyrinth von hundertzwanzig Kilometern. 1952 stellte der Staat die ersten Gänge auf Weinlagerung um. Bei Mileștii Mici, ebenfalls im Bezirk Ialoveni, folgte das 1969. Zweihundertfünfzig Kilometer Stollen liegen dort unter der Erde, von denen heute rund hundertzwanzig genutzt werden.

Zur Sowjetzeit wurde Moldau zum Weinkeller eines ganzen Imperiums, und Menge zählte mehr als Charakter. Das änderte sich hart: 2006 verhängte Russland ein Einfuhrverbot, 2013 ein zweites, und beide Male brach der wichtigste Absatzmarkt praktisch über Nacht weg. Vor 2013 gingen noch rund dreißig Prozent der moldauischen Weinausfuhr nach Russland. Heute sind es unter drei Prozent, während über zwei Drittel in die Europäische Union gehen. Die Betriebe mussten kühler gären, sauberer arbeiten und Sorten pflanzen, die auch ohne süßen Nachgeschmack überzeugen.

Ein Symbol für den Neuanfang steht bei Orhei. Château Vartely entstand ab 1996, bekam 2004 seinen heutigen Namen und öffnete 2008 als ganze Gutsanlage mit Blick über die Hügel. Es ist längst nicht die einzige Adresse, aber sie zeigt, wie schnell aus einer ehemaligen Kolchose ein Ziel für Weintouristen werden kann. Der schwarze Kalkstein unter Codru trägt heute also zweierlei: die ältesten Traubenspuren des Landes und die jüngste Geschichte seines Neustarts. Beides bleibt sichtbar.

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