
Purcari und Zaren
Region & Geschichte
Der Ort Ștefan Vodă trägt seinen heutigen Namen erst seit 1990. Gegründet wurde er 1909 als deutsche Kolonie Chizil, mitten in der Steppe am Nistru. Die Sowjets tauften ihn erst in Biruința um, dann in Suvorov, nach einem russischen General, der hier nie gelebt hatte. Nach der Unabhängigkeit suchte man einen Namen mit echtem Bezug zum Land und fand ihn bei Ștefan cel Mare, dem moldauischen Fürsten des fünfzehnten Jahrhunderts. Vodă ist sein alter Titel, das moldauische Wort für Fürst.
Wein wuchs an diesem Fluss schon lange vor jedem Namen. Doch der Sprung von der Landwirtschaft zum Weingut kam erst 1827, mit einem Erlass von Zar Nikolaus I. Er machte das Gut Purcari offiziell zum ersten spezialisierten Weingut Bessarabiens, wie das südöstliche Moldawien unter russischer Herrschaft hieß. Die Mönche in der Gegend hatten vorgemacht, wie man Keller baut: kreuzförmig, kühl, tief in den Kalkstein getrieben. Genau diesen Grundriss übernahm Purcari, und ein Teil davon steht bis heute.
Der Ruhm kam schnell. Beim bessarabischen Landwirtschaftsfest gewann der Negru de Purcari schon 1847 eine Goldmedaille. 1878 holte er auf der Weltausstellung in Paris die erste internationale Goldmedaille, die je ein Wein aus diesem Landstrich bekam. Von da an stand er auf den Tafeln von Zar Nikolaus II. und am britischen Königshof, ein Bauernwein vom Nistru, serviert neben Champagner.
Die Sowjetzeit war kein gutes Kapitel für Purcari. Die Reben wurden zwar nicht gerodet wie andernorts, aber die alte Rezeptur geriet in Vergessenheit, bis der Önologe Pimen Cupcea sie in den Fünfzigerjahren aus alten Aufzeichnungen rekonstruierte. Erst 2003 kam frisches Kapital, die Keller wurden erneuert, und 2012 bekam die ganze Region ihren heutigen rechtlichen Rahmen: die Indicație Geografică Protejată Ștefan Vodă, benannt nach demselben Fürsten wie der Ort selbst. Seit 2016 erkennt auch die EU dieses Herkunftszeichen im Rahmen des Assoziierungsabkommens an. Moldau ist bis heute kein Mitglied.