
Rara Neagră & Co.
Rebsorten
Eine Sorte erzählt hier die älteste Geschichte von allen: die Rara Neagră. Sie ist heute selten geworden, kaum zweihundert Hektar im ganzen Land. Am Nistru trägt sie diesen Namen, anderswo in Moldau heißt sie Băbească Neagră, und die Legende dazu handelt von Ștefan cel Mare. Ein Feldherr soll dem Fürsten einen Wein serviert haben, den eine alte Frau, eine „babă“, aus dem Dorf Nicorești geschickt hatte. Dem Fürsten schmeckte der Trunk auf Anhieb. Er rief nach einem zweiten Becher, und der Name der Alten blieb am Wein hängen.
Im Glas ist sie hell für einen Rotwein, fast wie ein kräftiger Rosé, und trotzdem hoch in der Säure. Die Alkoholwerte bleiben moderat, meist zwischen zehn und elf Komma fünf Prozent, während die Säurewerte auf über fünf, manchmal sechs Gramm pro Liter klettern. Für einen Rotwein ist das ungewöhnlich viel. Deshalb reift sie langsam und schwer, hält dafür aber jahrzehntelang, und in ganz Moldau wächst sie auf kaum zweihundert Hektar. Ein guter Teil davon steht ausgerechnet hier, um Ștefan Vodă, gleich nach dem Anbaugebiet Cahul.
Neben ihr steht eine zweite einheimische Sorte, die Fetească Neagră, das „schwarze Mädchen“. Sie ist dunkler, wärmer im Ton, mit Aromen von reifer Kirsche und einem Hauch Backpflaume, und Eichenfässer verträgt sie besser als die zurückhaltende Rara Neagră. Insgesamt macht der ganze einheimische Anteil an den Reben um Ștefan Vodă nur einen kleinen Bruchteil aus, gerade einmal sechs von hundert Rebstöcken.
Der Rest der Fläche gehört zugewanderten Sorten. Cabernet Sauvignon bildet das Rückgrat der berühmtesten Cuvée der Region, dem Negru de Purcari, ergänzt um Saperavi aus Georgien und einen kleinen Schuss Rara Neagră obendrauf. Merlot, Cabernet Franc und Chardonnay füllen den Rest der fünfzehn zugelassenen Sorten auf. Schmeckt es nach schwarzer Johannisbeere oder nach Sauerkirsche? Das verrät im Glas fast immer, welche der beiden Welten gerade überwiegt.