
Sonne, Wind, Nächte
Klima
Kein Ort in Neuseeland sieht mehr Sonne als Blenheim im Herzen des Wairau. Über 2.475 Stunden im Jahr, mehr als in Auckland, mehr als in Christchurch, sogar mehr als im sonnenverwöhnten Nelson gleich nebenan. Für eine Rebe heißt das vor allem eines: Zeit, um Zucker aufzubauen, ohne dass die Sonne selbst zur Gefahr wird.
Diese Sonne kommt nicht zufällig. Bergketten im Westen fangen die feuchten Winde von der Tasmansee ab, bevor sie das Wairau- und das Awatere Valley erreichen. Dabei werfen sie einen Regenschatten über die gesamte Talsohle. Rund um Blenheim und Seddon fallen deshalb unter achthundert Millimeter Regen im Jahr, in Teilen des Awatere Valley bei Lake Grassmere sogar unter sechshundert. Nur wenige Kilometer weiter östlich, an den Marlborough Sounds, prasseln im selben Jahr über sechzehnhundert Millimeter herunter. Zwischen trockenem Weinberg und tropfnasser Küste liegen manchmal nur zwanzig Kilometer Luftlinie.
Geformt wird das Klima von zwei Seiten Wasser. Im Norden liegt die Cook Strait, im Osten der offene Pazifik, und beide schicken kühle Brisen ins Land, sobald die Sonne tief steht. Im Landesinneren, in Blenheim, schwankt die Temperatur zwischen Tag und Nacht um durchschnittlich fast elf Grad. An der Küste, etwa am Pelorus Sound, sind es nur gut sieben. Diese Differenz entscheidet, wo ein Wein am Ende seine Säure behält und wo er sie verliert.
Manchmal kippt das System jedoch komplett um. Wenn ein trockener Nordwestwind über die Berge fällt, staut sich Wärme wie unter einer Decke, und die Temperatur schießt binnen Stunden nach oben. Am 7. Februar 1973, ausgerechnet im Gründungsjahr von Marlboroughs modernem Weinbau, kletterte das Thermometer bei The Jordan im Awatere Valley auf 42,2 Grad. Das ist fast der bis heute gültige Hitzerekord Neuseelands. Für die junge Anlage bei Brancott war das eine erste harte Lektion.
All das verschiebt die Ernte in einen engen Zeitraum am Ende des südhalbkugeligen Sommers. Chardonnay kommt meist zuerst, oft schon Ende März, Sauvignon Blanc folgt kurz danach, und Pinot Noir wird noch etwas später gelesen, sobald seine dünnere Schale genug Farbe gebildet hat. Wer zu früh erntet, riskiert grüne, unreife Aromen. Wer zu spät wartet, verliert genau die Säure, die diese Weine so frisch macht.