
Sauvignon Blanc & Co.
Rebsorten
Eine einzige Sorte hat Marlborough auf der Weinkarte der Welt verankert. Sauvignon Blanc wächst heute auf rund 25.150 Hektar von Marlboroughs knapp 30.500 Hektar Rebfläche, das sind gut zweiundachtzig Prozent. Noch 2012 waren es nach einer Untersuchung neuseeländischer Forscher gut sechzig Prozent. In wenig mehr als einem Jahrzehnt hat eine Traube, die vor allem im Wairau wächst, fast alles andere verdrängt.
Was diese Sauvignon Blanc so unverwechselbar macht, sitzt in der Chemie ihrer Schale. Kühle Nächte lassen zwei Stoffgruppen besonders gut erhalten: Thiole, die nach Passionsfrucht und Stachelbeere riechen, und Methoxypyrazine, die für die grüne Paprikanote und den Duft nach Tomatenblatt sorgen. Genau diese Mischung unterscheidet Marlborough von Sancerre oder vom südafrikanischen Sauvignon Blanc. Dort reifen die Trauben in wärmeren Nächten, und die flüchtigen Aromen verfliegen schneller. Ein Glas von hier riecht deshalb lauter, direkter, tropischer. Das schmeckt man sofort.
Weit dahinter, aber unangefochten auf Platz zwei, steht Pinot Noir mit rund zweieinhalbtausend Hektar. Er wächst bevorzugt in den kühleren Lagen des Awatere Valley und in den südlichen Seitentälern. Dort leidet seine dünnere Traubenhaut weniger unter der Sonne. Aus ihm entstehen sowohl eigenständige Rotweine als auch die Grundweine für Marlboroughs Schaumwein.
Der Rest verteilt sich auf einen kleinen, aber feinen Katalog. Pinot Gris und Chardonnay zusammen kommen auf knapp acht Prozent. Riesling bleibt eine Nische von unter einem Prozent. Ganz am Rand wächst sogar Pinot Meunier, fast ausschließlich für die Flaschengärung von Sekt bestimmt und nie als eigenständiger Wein abgefüllt, dazu ein paar Hektar Gewürztraminer, Sauvignon Gris und sogar Grüner Veltliner, kaum mehr als eine Fußnote in der Statistik. Wer durch die Rebzeilen fährt, sieht trotzdem vor allem eines: Reihe um Reihe Sauvignon Blanc, bis zum Horizont.