
Grauwacke & Löss
Böden
Grab in einem Weinberg im Wairau Valley ein Loch. Du triffst zuerst auf dunklen, graubraunen Schluff, kaum mehr als eine Handbreit tief. Darunter wird der Boden heller und sandiger, und nach knapp einem halben Meter stößt der Spaten auf Stein. Rundgeschliffener Flusskies liegt hier, abgelagert von einem Fluss, der seinen Lauf seit der letzten Eiszeit mehrfach geändert hat.
Dieser Kies ist Grauwacke, ein hartes Sandgestein aus den Bergen im Landesinneren, das der Wairau über Jahrtausende zu Tal gerollt und zu Geröll geschliffen hat. Zwischen den Steinen ist kaum Erde. Nährstoffe fehlen fast komplett. Wasser läuft durch wie durch ein Sieb, und genau das zwingt die Rebe, tief zu wurzeln, statt an der Oberfläche zu wuchern.
Ein Bodentyp namens Rapaura Shallow Silt Loam gilt bei neuseeländischen Bodenkundlern als beinahe ideal für Weinbau. Er ist durchlässig genug, um Staunässe zu vermeiden, und trägt gerade genug Feinerde obenauf, damit die junge Rebe überhaupt anwächst. Er zieht sich durch weite Teile des Wairau und auch durch tiefere Lagen des Awatere.
Im Awatere kommt eine zweite Zutat dazu: Löss, feiner, vom Wind herangewehter Staub, der sich in dünnen Schichten über denselben Kies gelegt hat. Auf den flachsten, steinigsten Terrassen ist die Erdschicht so dünn und so durchlässig, dass Winzer ganz ohne Tropfbewässerung im Sommer verloren wären. Bewässerung ist hier Pflicht. Reben auf solchen Böden liefern kleinere Beeren, dickere Schalen und, am Ende, konzentriertere Weine.
Der Boden schmeckt trotzdem nicht direkt im Glas mit, so verlockend die Vorstellung ist. Was er weitergibt, ist Wasserhaushalt und Wärme: Ein magerer Kiesboden erwärmt sich schnell, speichert wenig und lässt die Rebe früh reifen. Ein tieferer, tonhaltiger Boden in den südlichen Seitentälern hält länger Feuchtigkeit und bremst denselben Prozess um Tage. Zwei Weinberge, dieselbe Sorte, zwei völlig verschiedene Ernten.
Dunkler, graubrauner Schluff mit etwas Feinsand, nach dem nahen Ort Rapaura als eigener Bodentyp verzeichnet.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die den letzten Regen abgreifen, bevor die Oberfläche wieder austrocknet.