
1873 bis 1985
Region & Geschichte
1873 grub der Schotte David Herd beim Weiler Fairhall die ersten Reben Marlboroughs ein, eine Muskatsorte namens Brown Muscat, auf einem Grundstück, das er Auntsfield nannte. Er machte Wein bis zu seinem Tod 1905. Bis 1931 dauerte es, ehe die letzten Stöcke gerodet wurden. Danach passierte vierzig Jahre lang: nichts. Kein einziger Weinberg stand mehr zwischen Blenheim und den Hügeln.
Erst im Sommer 1973 kehrte der Weinbau zurück, und zwar im großen Stil. Frank Yukich, Chef von Montana Wines, ließ auf den Wairau Plains bei Brancott die ersten kommerziellen Reihen pflanzen. Er sagte bei der Pflanzung, der Wein von hier werde eines Tages weltberühmt sein. Zwei Jahre später bewies die Natur, wie hart dieses Versprechen erkämpft werden musste: Eine Dürre vernichtete den Großteil der jungen Anlage.
Die Antwort auf die Dürre war ein Kurswechsel. Statt auf robuste Massenware setzte Montana fortan auf Sauvignon Blanc und Pinot Noir, zwei Sorten, die mit dem kühlen Klima besser zurechtkamen. 1979 kam die erste Sauvignon-Blanc-Ernte in den Tank, und im selben Jahr eröffneten mit Te Whare Ra und Hunter's zwei kleine Güter, die zeigen wollten, dass Marlborough mehr konnte als nur Menge.
Den entscheidenden Schub gab ein einzelner Wein. 1985 gründeten der Australier David Hohnen und sein Winzer Kevin Judd das Weingut Cloudy Bay, benannt nach der Bucht an der Mündung des Wairau. Die eigene Kellerei an der Jacksons Road stand noch nicht, deshalb wurde der allererste Jahrgang weit entfernt in Gisborne vergoren. Trotzdem schlug der Sauvignon Blanc weltweit ein wie eine Bombe. Sommeliers in London und New York rissen sich plötzlich um eine Region, von der die meisten vorher nie gehört hatten.
Wie schnell das ging, zeigen die Zahlen. 2002 standen in Marlborough gut sechseinhalbtausend Hektar Reben, 2013 schon über zweiundzwanzigtausend, heute sind es rund dreißigtausend, mehr als siebzig Prozent der gesamten neuseeländischen Rebfläche. Gesetzlich anerkannt wurde der Name trotzdem erst spät. Das zuständige neuseeländische Gesetz für geografische Herkunftsbezeichnungen war schon 2006 verabschiedet. Es trat aber erst am 27. Juli 2017 tatsächlich in Kraft, elf Jahre später als geplant. Genau an diesem Tag reichte der Marlborough-Winzerverband seinen Antrag ein. Am 26. Februar 2018 stand der Name endgültig im Register des Amts für geistiges Eigentum, IPONZ, fünfundvierzig Jahre nach der ersten kommerziellen Pflanzung.