Rebsorten in der Region Martinborough

Pinot & Abel-Klon

Rebsorten

Fragt man in Martinborough nach der Rebsorte, fällt sofort ein Name: Pinot Noir. Über die Hälfte der Weine, die unter dem Namen der Region gelistet werden, sind aus dieser einen Traube gekeltert, mit weitem Abstand vor Sauvignon Blanc, Chardonnay und Pinot Gris. Das ist bemerkenswert für einen derart kleinen Landstrich. Martinborough liefert kaum ein Prozent des neuseeländischen Weins — aber es liefert den, über den am meisten gesprochen wird.

Der Wein selbst unterscheidet sich deutlich von seinem südlicheren Verwandten aus Central Otago. Dort schmeckt Pinot Noir oft üppig und fruchtbetont. In Martinborough ist er schlanker, würziger und herzhafter, erdig, mit Kräutern statt reiner Süße. Grund dafür sind der ständige Wind und die kühlen Nächte. Sie geben den Beeren dickere Schalen und damit mehr Tannin, jenen pelzigen Belag, den man nach dem Schlucken am Zahnfleisch spürt.

Eine genetische Spielart von Pinot Noir, ein sogenannter Klon, hat eine besonders krumme Geschichte. In den späten Siebzigern findet der Zollbeamte Malcolm Abel am Flughafen Auckland Rebstecklinge im Gummistiefel eines Reisenden. Der Mann verschwindet danach spurlos, seine Geschichte bleibt unbestätigt. Abel pflanzt die Stecklinge in seinem eigenen kleinen Weinberg bei Kumeu. Der Reisende soll behauptet haben, sie stammten aus La Tâche, einer der berühmtesten Einzellagen von Burgund. Bewiesen ist das bis heute nicht. Eine Genanalyse aus dem Jahr 2022 ordnet den sogenannten Abel-Klon einer Gruppe Schweizer Klone zu, schließt eine Verwandtschaft mit Burgund aber auch nicht aus. 1980 kauft Clive Paton von Ata Rangi junge Reben davon. Sein erster reinsortiger Pinot Noir, 1985, besteht komplett aus Abel-Klon-Trauben.

Sauvignon Blanc und Pinot Gris teilen sich den Rest der Fläche, meist auf den jüngeren, kälteren Kiesböden von Te Muna. Dort liegt die höhere Terrasse fast fünfzig Meter über der Stadt; die Ernte beginnt deshalb bis zu zehn Tage später als unten am Ort, und genau diese zusätzliche Reifezeit gibt den Weißweinen ihre Spannung. Riesling und Chardonnay wachsen in kleineren Mengen dazu, meist bei einzelnen Gütern wie Dry River, die schon in den siebziger Jahren mit ungewöhnlichen Sorten experimentierten.

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