Rebsorten in der Region Burgenland

Blaufränkisch und Furmint

Rebsorten

Blaufränkisch trägt zwei Namen, und beide erzählen dieselbe Anekdote. Als napoleonische Truppen ungarische Winzer in blauen statt in roten französischen Francs bezahlten, verkauften diese ihren besten Wein nur noch gegen die blaue Währung. Kék heißt blau auf Ungarisch, frankos steht für Franken. So wurde daraus der Kékfrankos, und aus dem Kékfrankos im Burgenland der Blaufränkisch — in Württemberg heißt dieselbe Rebsorte dagegen Lemberger, benannt nach einem Ort im heutigen Slowenien. Nirgendwo aber steht sie so im Zentrum wie hier. Im Mittelburgenland, das sich selbst Blaufränkischland nennt, ist sie fast die einzige Rotweinsorte, die zählt.

Im Glas zeigt sie sich rubinrot bis violett, mit kräftigem Tannin — dem pelzigen Belag, den man nach einem Schluck am Zahnfleisch spürt. Dazu kommt eine Säure, die auch in heißen Jahrgängen nicht müde wird. Typisch ist eine Würze nach schwarzem Pfeffer, dazu dunkle Kirsche und, je nach Boden, ein rauchiger oder mineralischer Unterton. Diese Mischung aus Kraft und Frische macht Blaufränkisch lagerfähig: Gute Flaschen aus Mittelburgenland oder Eisenberg halten mühelos zwei Jahrzehnte.

Am Neusiedlersee dominiert eine andere, viel jüngere Sorte. Zweigelt wurde erst 1922 an der Weinbauschule Klosterneuburg gezüchtet, aus Sankt Laurent und Blaufränkisch gekreuzt, ursprünglich unter dem sperrigen Namen Rotburger. Er reift früh, verzeiht auch weniger perfekte Lagen und ergibt Weine mit saftiger Kirschfrucht und weichem Tannin. Das ist unkomplizierter als sein Elternteil, aber gerade deshalb ist er der meistgepflanzte Rotwein Österreichs und die tragende Sorte der Neusiedlersee DAC.

Die dritte Sorte gehört dem Süßwein. Als die Königin von Ungarn den Rustern 1524 das Recht auf ihr eigenes Brandzeichen verlieh, stand in deren Weinbergen vor allem Furmint. Das ist dieselbe Traube, aus der auch der ungarische Tokajer entsteht. Heute ist Furmint in Rust selten geworden. Sein Erbe trägt jetzt vor allem Welschriesling, dessen dünne Schale sich im Herbstnebel des Seewinkels leicht mit Botrytis überzieht, der Edelfäule. Zusammen mit Weißburgunder und Chardonnay liefert er die Trauben für den Ruster Ausbruch.

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