Region & Geschichte in der Region Burgenland

Westungarn bis DAC

Region & Geschichte

Bis 1921 stand auf keiner österreichischen Karte ein Burgenland. Das Gebiet gehörte fast tausend Jahre zum Königreich Ungarn, als deutschsprachiges Westungarn mit eigenen Dörfern und eigenen Winzern. Seine Sprache klingt am Neusiedlersee bis heute nach. Erst der Vertrag von Saint-Germain 1919 und der Vertrag von Trianon 1920 zwangen Ungarn, das Land abzutreten, doch ungarische Freischärler leisteten bewaffneten Widerstand, und eine Volksabstimmung ließ die Stadt Ödenburg bei Ungarn. Die tatsächliche Übernahme durch Österreich zog sich deshalb bis zum Jahreswechsel 1921 auf 1922 hin. Hauptstadt wurde nicht das verlorene Ödenburg, sondern Eisenstadt, wo seit dem siebzehnten Jahrhundert die ungarische Fürstenfamilie Esterházy mit eigenen großen Weingütern saß.

Ein Ort in diesem jungen Bundesland hatte seine eigene Geschichte längst geschrieben. 1524 verlieh die ungarische Königin Maria dem Markt Rust das Recht, seine Weinfässer mit einem eigenen Brandzeichen zu kennzeichnen, dem Ruster R. Das befreite den Wein von sämtlichen Zöllen im Habsburgerreich, und es gilt bis heute als älteste geschützte Herkunftsbezeichnung eines österreichischen Weins. Der Handel florierte glänzend. Rust erkaufte sich damit 1681 den Rang einer königlichen Freistadt, verliehen von Kaiser Leopold I. Der Preis: 60.000 Goldgulden und fünfhundert Eimer bester Ausbruch, knapp dreißigtausend Liter Süßwein, allein als Zugabe.

Zwei Weltkriege vergingen. Danach geriet der Ruf ins Wanken. Burgenländischer Wein wurde jahrzehntelang vor allem in loser Menge und billig verkauft, ohne Namen. Genau das öffnete 1985 die Tür für einen der größten Weinskandale Europas. Händler hatten Diethylenglykol in Wein aus dem Burgenland und aus Niederösterreich gepanscht, einen leicht süßlichen Frostschutzstoff, um ihn als hochwertige Spätlese auszugeben. Am 23. April 1985 wurde der Betrug öffentlich. Der Export brach binnen Monaten um rund fünfundneunzig Prozent ein, und österreichischer Wein galt international über Nacht als Gift statt als Genuss.

Aus diesem Tiefpunkt entstand eines der strengsten Weingesetze der Welt. Seit Oktober 1985 trägt jede Flasche österreichischer Qualitätswein eine staatliche Banderole mit Kontrollnummer, zurückverfolgbar bis zum einzelnen Betrieb. Das Burgenland ging noch weiter und begann, seine Herkünfte einzeln zu definieren. 2005 wurde das Mittelburgenland als erste Rotwein-DAC des Landes anerkannt, benannt nach seiner Leitsorte Blaufränkisch. Leithaberg und Eisenberg folgten 2009, Rosalia kam 2018 dazu und Neusiedlersee schon 2012. Ganz zuletzt, 2020, folgte der Ruster Ausbruch — sechs geschützte Herkünfte in einem einzigen kleinen Bundesland, mehr als irgendwo sonst in Österreich.

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