
Kloster bis DAC
Region & Geschichte
Auf den Terrassen von Heiligenstein, Käferberg und Steinmassl wird seit fast tausend Jahren Wein gelesen. Schon im elften Jahrhundert bauten Bauern hier Reben an, an den steilen Südhängen über dem Kamp. Das war lange, bevor irgendjemand das Wort Kamptal kannte. Der Heiligenstein selbst taucht zuerst 1280 auf. Er steht im Güterverzeichnis des Stifts Zwettl, als „Hellenstein“ — heller Stein, weil die Sonne auf dem kahlen Fels brannte wie in der Hölle.
Diese Klosterspur führt direkt nach Gobelsburg. 1138 gründete der Kuenringer Hadmar der Erste das Zisterzienserstift Zwettl. Schon 1171 überließ ein Kuenringer den aus Burgund stammenden Mönchen einen Wirtschaftshof mit Weingärten, die bis heute bewirtschaftet werden. Bis 1314 blieb Gobelsburg im Besitz der Kuenringer. Danach wechselte die Herrschaft mehrfach zu Landadelsfamilien, die den Bau im sechzehnten Jahrhundert zu einer Renaissance-Vierflügelanlage umformten und ihn 1725 unter dem Baumeister Joseph Munggenast barockisieren ließen.
Der letzte weltliche Besitzer hieß Otto Achaz Ehrenreich Graf Hohenfeld. Sein Sohn Heinrich trat ins Kloster ein. Er verkaufte die hoch verschuldete Herrschaft 1740 an sein eigenes Stift Zwettl, das darin seine Zentralkellerei einrichtete, und diese Kellerei keltert bis heute Wein aus dem Kamptal.
Den Namen Kamptal trägt das Gebiet erst seit einer Weingesetznovelle von 1993; zuvor firmierte es gemeinsam mit dem heutigen Kremstal als Kamptal-Donauland. Die jüngere Geschichte ging schneller. 1991 gründeten zehn Winzer aus Kamptal und Kremstal die Österreichischen Traditionsweingüter, um die besten Rieden entlang der Donau zu ordnen. 2010 standen die ersten dreiundfünfzig als „Erste Lage“ fest. Seit dem Jahrgang 2008 dürfen Grüner Veltliner und Riesling aus dem Kamptal DAC heißen, seit 2024 auch Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder. Ab der Ernte 2025 gilt das nur noch für biologisch oder nachhaltig zertifizierten Anbau.
Wie nah sich alt und neu im Kamptal stehen, zeigt Langenlois. Seit 2003 führt das Loisium Besucher durch einen anderthalb Kilometer langen Kellerlabyrinth. Seine ältesten Gänge werden auf 900 Jahre geschätzt, entworfen hat den Bau darüber der New Yorker Architekt Steven Holl, als Wurzelwerk aus Beton über echtem Fels.