
Veltliner & Riesling
Rebsorten
Zwei Sorten tragen das Kremstal, mehr lässt die DAC gar nicht zu. Grüner Veltliner steht auf gut sechzig Prozent der rund 2.250 Hektar Rebfläche, Riesling auf etwa elf Prozent. Der Rest verteilt sich auf Sorten, die nicht unter dem Namen Kremstal DAC abgefüllt werden dürfen. Wer hier ein Glas mit diesem Etikett bestellt, trinkt also fast immer eine von zwei Trauben.
Grüner Veltliner riecht nach grünem Apfel und Zitrus, und dazu kommt fast immer eine Würze, die viele zuerst nicht einordnen können: weißer Pfeffer. Verantwortlich dafür ist ein Molekül namens Rotundon, erst 2008 in Trauben nachgewiesen, das die menschliche Nase schon in winzigsten Mengen wahrnimmt. Österreichische Untersuchungen fanden es in Grüner-Veltliner-Trauben. Es liegt oft beim Siebzehnfachen der Wahrnehmungsschwelle von rund 16 Nanogramm pro Liter. Das ist deutlich mehr, als in den meisten Rotweinen aus Syrah steckt. Dort wurde die Substanz zuerst entdeckt.
Riesling schlägt eine andere Richtung ein. Er reift später, braucht mehr Sonne und steht deshalb fast nur auf den steilen Terrassen nahe der Donau, wo Fels die Wärme des Tages speichert und nachts wieder abgibt. Im Glas zeigt er Steinobst, oft Pfirsich, dazu eine steinige, fast salzige Note. Kenner nennen das mineralisch, auch wenn kein Gestein direkt in den Wein wandert.
Welche der beiden Sorten ein Winzer wo pflanzt, ist keine Geschmacksfrage, sondern eine des Bodens. Auf tiefem Löss im Norden des Gebiets reift Grüner Veltliner zu einem runden, würzigen Wein, während aus Riesling auf dem harten Gneis der Terrassen entlang der Donau etwas Schlankeres und Strafferes wird. Weingüter wie Nigl in Senftenberg oder die große Genossenschaft Winzer Krems zeigen beide Stile nebeneinander, oft aus Lagen, die nur wenige hundert Meter trennen.
Ein paar andere Sorten stehen zwar im Kremstal, dürfen aber nicht als Kremstal DAC verkauft werden. Dazu zählen Chardonnay, Sauvignon Blanc, auch der eine oder andere Rotwein. Sie heißen dann schlicht Niederösterreich-Wein. Das zeigt, wie eng die DAC-Regel gefasst ist: Wer die Herkunft aufs Etikett schreiben will, muss bei den zwei Leitsorten bleiben.