
Pickern bis DAC
Region & Geschichte
Schon die Kelten kelterten hier vor rund zweitausendvierhundert Jahren wilde Reben. Eine davon gilt als Vorfahrin des Blauen Wildbachers, der bis heute nur in der Steiermark wächst. Die Römer machten aus diesem Nebenbei ein Gewerbe. Die erste Urkunde, die Weinbau in der Untersteiermark direkt erwähnt, stammt aus dem Jahr 890 — danach reißt die Spur nie mehr ab.
Im Mittelalter übernahmen Klöster das Geschäft und dehnten die Rebflächen weit über das heutige Bundesland hinaus aus. 1784 gab Kaiser Josef II. den Bauern ein Recht, das bis heute lebt: Mit dem Buschenschank-Patent durften sie den eigenen Wein selbst ausschenken, ohne Wirtshauskonzession. Rund zweihundertzehn Buschenschanken tun das noch heute.
Modern wurde der steirische Wein durch einen einzigen Mann. Erzherzog Johann gründete 1819 die Landwirtschaftsgesellschaft für Steiermark. 1822 legte er bei Pickern nahe Marburg ein Mustergut an — heute Pekre bei Maribor, sein Gut trägt den Namen Meranovo —, wo er mit Kellermeistern aus mehreren Ländern unbekannte Sorten aus Frankreich und Deutschland erproben ließ. Chardonnay und Sauvignon Blanc kamen so ins Land und blieben. Die meisten der 1854 gezählten 425 Rebsorten sind dagegen längst vergessen.
Dann kam die Katastrophe in drei Wellen: 1850 der Echte Mehltau, 1878 die Peronospora, um 1880 die Reblaus aus Amerika, die fast alle Wurzeln zerstörte. Hermann Göthe, Direktor der 1872 gegründeten Obst- und Weinbauschule in Marburg, züchtete mit der Unterlagsrebe Rupestris Göthe Nr. 9 die Rettung — auf ihr wachsen viele steirische Reben noch heute, gegen den Willen der Laus veredelt.
Kaum war der Wiederaufbau geglückt, kostete der Friede von Saint-Germain 1919 der Steiermark ein Drittel ihrer Fläche: Die Untersteiermark mit dem größten Teil der historischen Weingärten fiel an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Was blieb, war ein kleines Restgebiet, das erst nach 1945 wieder Tritt fasste.
Die eigentliche Wende kam aus sieben Kellern. 1986 gründeten die Güter Gross, Polz, Sattlerhof, Tement und Winkler-Hermaden mit zwei weiteren Betrieben eine Vereinigung, die sich der Qualität statt der Menge verschrieb und Sauvignon Blanc zur Aushängesorte machte. 1993 prägten sie dafür den Begriff Steirische Klassik. Mit dem Jahrgang 2018 bekamen Südsteiermark, Vulkanland Steiermark und Weststeiermark ihre eigenen DAC-Herkünfte. Seit 2023 stehen zudem rund 580 einzelne Rieden per Gesetz fest.