
Sauvignon & Schilcher
Rebsorten
Ein Bundesland, drei Gebiete, drei völlig verschiedene Antworten auf dieselbe Frage. In der Südsteiermark ist Sauvignon Blanc die klare Nummer eins: Er steht auf rund einem Fünftel der Fläche, gut 691 von insgesamt 2.785 Hektar, und internationale Verkoster zählen die besten Abfüllungen inzwischen zu den feinsten trockenen Weißweinen der Welt.
Im Vulkanland, gut hundert Kilometer weiter östlich, dominiert dagegen Welschriesling mit 310 von 1.644 Hektar, knapp vor Weißburgunder mit 239. Sauvignon Blanc wächst auch dort, aber nur auf 108 Hektar, deutlich hinter Morillon mit 92. Das wärmste Weinbaugebiet Österreichs bevorzugt offenbar andere Sorten als sein kühlerer Nachbar im Süden.
Die Weststeiermark spielt eine eigene Liga. Über 400 der 667 Hektar dort tragen Blauer Wildbacher, aus dem ausschließlich Schilcher entsteht — ein Rosé, den es so nirgendwo sonst gibt. Von den gut 500 Hektar, die Österreich insgesamt von dieser Sorte hat, liegen praktisch alle in der Steiermark. Zwei Hektar außerhalb sind eine Randnotiz.
Morillon heißt hier, was anderswo Chardonnay heißt — derselbe Name, den Erzherzog Johanns Kellermeister im 19. Jahrhundert aus Pickern mitbrachten, hat sich einfach nie verändert. Gelber Muskateller steht auf rund 505 der insgesamt 5.096 steirischen Hektar und duftet so intensiv nach Trauben, Rosen und Muskat, dass man ihn blind erkennt. Dazu kommen Weißburgunder, Grauburgunder und Traminer.
Rot ist selten, aber nicht abwesend. Zweigelt, Österreichs meistgepflanzte rote Sorte, ergibt im Vulkanland rund 77 Hektar leichten, kirschigen Rotwein für den Alltag. Er bleibt ein Randthema in einem Land, das seinen Ruf fast ausschließlich mit Weiß und Rosé verdient hat — und mit einem Import aus dem 19. Jahrhundert, der zur eigenen Sprache wurde.