Rebsorten in der Region Thermenregion

Zierfandler & Rotgipfler

Rebsorten

Zwei weiße Sorten gibt es fast nirgends sonst auf der Welt in nennenswerter Menge: Zierfandler und Rotgipfler. Beide gelten als natürliche Kreuzungen aus Traminer und dem Roten Veltliner, beide reifen spät, und beide tragen ihren Beinamen zu Recht. Zierfandler heißt im Volksmund Spätrot, weil seine Beeren sich kurz vor der Lese rötlich färben. Rotgipfler verdankt seinen Namen den roten Spitzen an seinen jungen Blättern.

Erstmals erwähnt wurde Zierfandler 1777 vom Wiener Weinschriftsteller Helbling, Goethe notierte seine Ankunft in der Thermenregion Anfang des 19. Jahrhunderts. Rotgipfler taucht erstmals 1837 auf, in einer Schrift des Steirers Johann Burger, und wächst seither fast ausschließlich rund um Gumpoldskirchen. Zusammen ergeben sie den Spätrot-Rotgipfler, einen Verschnitt, der bis in die Siebzigerjahre unter dem Namen Gumpoldskirchner weit über Österreich hinaus bekannt war.

Im Glas wirkt Zierfandler leicht und beweglich, mit feiner Säure und einem nussigen Ton nach Pistazie und Mandel. Rotgipfler bringt dagegen Kraft: hohen Alkohol, viel Extrakt, wenig Säure. Erst zusammen ergänzen sich beide zu einem Wein, der die Eleganz der einen Sorte mit dem Körper der anderen verbindet — deshalb blieben sie über zwei Jahrhunderte lang ein Paar.

Bei den roten Sorten dominiert St. Laurent, benannt nach dem Feiertag, an dem seine Beeren zu reifen beginnen. Erstmals ausgepflanzt wurde er um 1860 im Stift Klosterneuburg. Gentests zeigen Pinot Noir, auf Deutsch Blauburgunder, als einen seiner Eltern, vermutlich gepaart mit der fast verschwundenen französischen Sorte Savagnin. Mit Blaufränkisch zusammen ist St. Laurent zudem einer der beiden Elternteile der Neuzüchtung Zweigelt.

Blauburgunder selbst wächst ebenfalls in der Region, oft auf denselben Kalkböden, die schon Zierfandler und Rotgipfler prägen. Die Verordnung zur Thermenregion DAC erlaubt für den einfachsten Gebietswein insgesamt zehn Rebsorten, dazu Trauben von Flächen, die als Gemischter Satz eingetragen sind — mehrere Sorten, gemeinsam gepflanzt und gemeinsam gelesen, wie es hier seit Jahrhunderten üblich war.

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