
Quellen und Reben
Region & Geschichte
Schon die Römer wussten, was unter dem Anninger sprudelt. Um das Jahr 50 nach Christus legten sie am Ort des heutigen Baden eine Siedlung namens Aquae an, unter Kaiser Claudius bald Aquae Pannoniae genannt und im römischen Straßenverzeichnis Itinerarium Antonini verzeichnet. Soldaten der fünfzehnten Legion aus dem nahen Carnuntum weihten dort vor dem Jahr 114 einen Altar den Quellnymphen. Wo Legionäre badeten, wuchsen bald auch Reben. Das Tal verband beides von Anfang an.
Eine alte Sage erzählt von drei Brüdern. Perchtold, Guntram und Gumpold sollen im Auftrag eines babenbergischen Herzogs befestigte Höfe gegen ungarische Einfälle errichtet haben, und die Orte tragen ihre Namen bis heute: Perchtoldsdorf, Guntramsdorf, Gumpoldskirchen. Belegt ist davon wenig. Echte Urkunden fehlen. Fassbar wird Gumpoldskirchen erst 1140, vermutlich benannt nach einem realen Gründer namens Gumpold. Schon in dieser ersten Erwähnung aber stand der Weinbau im Mittelpunkt.
Nur ein Jahr später, 1141, schenkte Markgraf Leopold IV. das Dorf Thallern dem Zisterzienserstift Heiligenkreuz. Die Mönche legten dort ein Weingut an, das sie nach dem Vorbild von Clos de Vougeot gestalteten, dem burgundischen Gut ihres Mutterklosters. Fast 870 Jahre blieb das Freigut Thallern in Klosterhand, bis es 2009 an drei Winzer überging — eines der am längsten durchgehend bewirtschafteten Weingüter Österreichs.
Im 16. Jahrhundert rollten Fässer von hier bis nach Schlesien, Böhmen und Bayern, getrunken von Bischöfen, Habsburgern und dem Feldherrn Wallenstein. Jahrhunderte später machte eine andere Quelle die Gegend berühmt: Baden wurde ab 1793 Kurort des Wiener Adels, 1833 sogar offizielle kaiserliche Sommerresidenz. Wer abends im Kurpark flanierte, trank den Wein der Hügel ringsum.
1842 heiratete der Kaufmann Robert Schlumberger nach Wien und pachtete Weingärten in Vöslau. Hinter seinem eigenen Haus pflanzte er die ersten Stöcke Cabernet Sauvignon und Merlot, die es in Österreich je gab. Das war ein Wagnis in einem Land, das bislang fast nur heimische Sorten kannte. 1878 wurde er dafür als Edler von Goldeck geadelt.
Ihre heutige Form bekam die Region erst 1985, als das Weingesetz die getrennten Gebiete Gumpoldskirchen und Bad Vöslau zur Thermenregion zusammenlegte. Fast vierzig Jahre später, mit dem Jahrgang 2023, wurde sie DAC. Sie war damit das letzte der österreichischen Weinbaugebiete, das diesen Status bekam. Um 50 nach Christus als Römerbad begonnen, amtlich als Weinregion sortiert erst 2023 — dazwischen liegen fast zwei Jahrtausende.