Rebsorten in der Region Wagram

Grüner & Roter Veltliner

Rebsorten

Mehr als die Hälfte, mancherorts bis zu zwei Drittel der Rebflächen am Wagram tragen denselben Namen. Grüner Veltliner deckt hier, auf der mächtigen Lössterrasse, so viel Fläche ab wie kaum irgendwo sonst in Österreich außer dem Weinviertel. Rund und geschmeidig schmeckt er hier meist, mit reifem Steinobst und wenig von dem grünen Pfeffer, für den er in kühleren Lagen berühmt ist. Der Grund liegt im Boden darunter: Löss speichert Wärme wie eine Decke.

Ganz anders steht es um seinen Namensvetter. Roter Veltliner bedeckt österreichweit nur vier von tausend Rebzeilen, doch fast alle davon stehen am Wagram, besonders rund um Fels am Wagram. Der Name täuscht. Mit dem Grünen Veltliner ist er trotz der Ähnlichkeit im Namen nicht verwandt. Er reift spät, trägt wenig, und seine Beeren färben sich vor der Lese rosa bis kupfern, daher der Name.

Diese unscheinbare Sorte ist genetisch ein Riese. Der Klosterneuburger Rebforscher Ferdinand Regner wies per DNA-Analyse nach, dass Roter Veltliner die Elternsorte von Neuburger, Rotgipfler und Zierfandler ist. Alle drei sind Weißweine, die man sonst eher mit der Thermenregion verbindet. Auch der Frühroter Veltliner, trotz des ähnlichen Namens eine eigenständige Sorte, entstand aus einer natürlichen Kreuzung von Roter Veltliner mit Sylvaner. Ohne diesen einen Weinberg am Wagram gäbe es einen guten Teil der österreichischen Rebsortenvielfalt schlicht nicht.

Im Glas zeigt Roter Veltliner mehr Kraft als sein Cousin. Das kostet Geduld im Weinberg. Er bringt mehr Farbe, mehr Extrakt und einen Ton nach reifem Apfel und Nüssen mit. Das macht ihn zu einem Wein, der Jahre im Keller verträgt. Lange stand er trotzdem kurz vor dem Verschwinden, weil er im Weinberg mehr Arbeit macht, als er an Ertrag zurückgibt. Erst als einzelne Betriebe am Wagram in den letzten Jahren wieder gezielt auf ihn setzten, kehrte er zurück auf die Weinkarten.

Wagram bleibt darin eigenwillig. Ganz oben in der DAC-Pyramide steht neben den beiden Veltlinern noch eine dritte Sorte: Riesling. Er wächst nur auf kleiner Fläche, meist an den wärmegespeicherten Rändern der Terrasse. Nur diese drei Sorten dürfen als Riedenwein die Herkunft einer einzelnen Lage tragen. Wer verstehen will, was den Wagram von seinen Nachbarn unterscheidet, muss also nicht nach neuen Sorten suchen, sondern nur genau hinschauen, wie unterschiedlich zwei Pflanzen mit fast demselben Namen schmecken können.

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