Rebsorten in der Region Weinviertel

Grüner Veltliner voran

Rebsorten

Eine einzige Sorte prägt das Weinviertel so stark wie sonst kaum eine Region ihre eigene: Grüner Veltliner, der auf fast der Hälfte der gesamten Rebfläche steht, während fast jeder zweite Grüne Veltliner Österreichs hier wächst. Wer die Sorte verstehen will, muss zuerst hierherkommen.

Ihren Ruf verdankt sie einer Würze, die man hier schlicht „Pfefferl“ nennt. Ein Hauch von grünem, manchmal weißem Pfeffer meldet sich darin, unter Zitrusfrucht und grünem Apfel. Verantwortlich dafür ist ein Aromastoff namens Rotundon, derselbe, der auch Syrah seine Pfeffernote gibt. Grüner Veltliner aus dem Weinviertel kann davon extrem viel enthalten. Die Konzentration übersteigt die Wahrnehmungsschwelle um das Siebzehnfache; mehr dazu beim Verkosten.

Doch das Weinviertel ist kein reines Weißwein-Einerlei. Im Westen, rund um Retz, Haugsdorf, Mailberg und das Pulkautal, liegt seit jeher der Schwerpunkt für Rotwein. Zweigelt, 1922 vom Rebzüchter Fritz Zweigelt aus Blaufränkisch und Sankt Laurent gekreuzt, und der ältere, robustere Blaue Portugieser stehen hier im Mittelpunkt. Beide reifen früh und mögen die Wärme der tieferen Lagen — anders als der spätreifende Veltliner auf den Hügeln.

Im Nordosten, um Falkenstein und Herrnbaumgarten, ändert sich der Boden, und mit ihm die Sorte. Dort, wo Kalkklippen der Waschbergzone den Löss durchbrechen, wachsen Welschriesling und Riesling, ein kleiner Posten im Vergleich zum Veltliner, aber auf diesen Kalklagen von beachtlicher Feinheit.

Ganz am Rand, bei Hohenwarth, hält sich eine Rarität, die anderswo fast verschwunden ist: Roter Veltliner. Mit dem Grünen Veltliner ist er trotz des Namens nicht näher verwandt. Seine Erträge schwanken launisch. Kaum ein Betrieb pflanzt ihn heute noch neu. Wer ihn findet, hält damit ein Stück Sortenvielfalt in der Hand, das im Weinviertel bald verschwunden sein könnte.

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