Rebsorten in der Region Wien

Gemischter Satz

Rebsorten

In den meisten Weinbaugebieten bestimmt eine Rebsorte den Ruf einer Region. In Wien ist es eine Methode. Der Wiener Gemischte Satz mischt mindestens drei weiße Rebsorten in einem einzigen Weingarten, Reihe für Reihe oder sogar Stock für Stock durcheinander gepflanzt. Genau so, gemeinsam, werden sie im Herbst auch gelesen und gekeltert.

Die Regeln dahinter stehen seit 2013 in der DAC-Verordnung. Die stärkste Sorte darf höchstens die Hälfte des Weingartens einnehmen, eine dritte Sorte muss mindestens zehn Prozent stellen, und alles landet gemeinsam in der Presse. Das unterscheidet den Gemischten Satz von einer Cuvée. Bei einer Cuvée verschneidet der Kellermeister fertige Weine nach Wunsch im Tank, beim Gemischten Satz dagegen entscheidet der Weingarten selbst, wie viel von wem in die Flasche kommt — diese Entscheidung fällt schon beim Pflanzen.

Vier Sorten tauchen in fast jedem Satz auf. Grüner Veltliner bringt Frische und einen würzigen, manchmal pfeffrigen Ton mit, Weißburgunder rundet ab, ohne selbst laut zu werden. Riesling liefert die Säure und einen Hauch Zitrus. Der alte, fast vergessene Neuburger legt eine nussige Breite darunter, die den Wein am Gaumen länger stehen lässt. Am Nussberg etwa steht auffällig viel Neuburger, während der Bisamberg eher auf Grünen Veltliner setzt. Traminer, Sylvaner und Frühroter Veltliner kommen dazu, je nachdem, was in dem jeweiligen Weingarten seit Generationen wächst.

Rund 41 Prozent der Wiener Rebfläche tragen heute Gemischten Satz. Daneben stehen reinsortige Weingärten: Grüner Veltliner allein kommt auf etwa sechzehn Prozent der Fläche, Riesling auf knapp acht, Weißburgunder und Chardonnay auf jeweils rund vier. Vier von fünf Wiener Rebstöcken tragen weiße Trauben. Nur ein Fünftel ist Rotwein, allen voran Zweigelt mit gut fünfeinhalb Prozent und Blauburgunder mit gut drei.

Was den Gemischten Satz besonders macht, zeigt sich erst im Glas. Weil die Sorten unterschiedlich schnell reifen, aber am selben Tag gelesen werden, steckt in jeder Flasche ein Jahrgang, den kein Kellermeister exakt wiederholen kann. Mal ist der Grüne Veltliner schon voll reif, während der Riesling noch etwas grün mitschwingt, mal ist es umgekehrt. Genau diese Unschärfe wollten die Winzer 2013 schützen, nicht glätten.

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