
Talha & Tank
Herstellung
In einer talha gärt der Wein, wie er es bei den Römern tat; ganze Trauben, Schalen, manchmal Stiele, alles zusammen in einem bauchigen Tongefäß. Innen ist es mit Pinienharz abgedichtet, damit der poröse Ton nichts vom Wein schluckt. Während der Gärung rührt jemand mehrmals täglich mit einem Holzstab durch die Decke aus Schalen, die sich oben bildet. Sonst kippt sie in Essig.
Der Wein bleibt auf den Schalen, bis am elften November der Tag von São Martinho kommt. Nicht früher. Dann wird die talha geöffnet, über einen Hahn am Boden abgezapft und gleich verkostet. Das geschieht mit Musik und Gesang, vor allem in Vila de Frades, das sich selbst die Hauptstadt des vinho de talha nennt. Wer weiße Trauben so vergärt, bekommt praktisch das, was anderswo Orange Wine heißt; nur der Name ist hier viel älter.
Neben der talha steht heute der Edelstahltank; seit den Achtzigerjahren, mit EU-Geldern für die Kellertechnik, gären die meisten DOC-Weine temperaturkontrolliert. Sie reifen anschließend in französischer oder amerikanischer Eiche, wenn sie für längeres Liegen gedacht sind. Die beiden Welten laufen nebeneinander her, oft im selben Betrieb. Beide bleiben nötig. Der Tank liefert das verlässliche Alltagsprodukt, die talha das Stück Geschichte im Regal daneben.
Am 18. August 2026 beschloss der Generalrat der CVRA einstimmig: vinho de talha darf künftig in der gesamten Region zertifiziert werden. Vorher galt das nur in einzelnen Gemeinden, wie es die Verordnung von 2010 noch vorsah; gleichzeitig führte er zwei neue Stufen für alte Weinberge ein. Vinhas Velhas heißen Anlagen ab fünfunddreißig Jahren, Vinhas Centenárias jene, die schon vor 1931 eingetragen wurden. Aus einer Randnotiz der Kellergeschichte wurde damit über Nacht ein amtliches Gütesiegel.