
Bauchig statt eng
Gläser
Ein Wein aus dem Alentejo bringt oft dreizehn bis fünfzehn Prozent Alkohol mit; das ist mehr als bei den meisten Rotweinen Mitteleuropas, und genau das entscheidet über das richtige Glas. Ein enges Glas drückt den Alkoholdunst nach oben und sticht in die Nase, bevor die Frucht überhaupt ankommt. Ein weiter, bauchiger Kelch dagegen gibt dem Alkohol Raum zum Verfliegen. Er schiebt den Duft der reifen Frucht davor.
Aragonez und seine Partner lassen ihre Gerbstoffe in der Hitze weich reifen. Ein junger Alentejo-Rotwein braucht deshalb kaum eine Karaffe; er ist von Anfang an zugänglich, nicht wie ein junger, kantiger Wein aus kühleren Lagen. Erst ein gereifter Wein mit Fassausbau profitiert von zwanzig Minuten Luft, damit sich Holz und Frucht wieder finden. Nicht länger.
Ganz anders trinkt man vinho de talha. Frisch aus der talha gezapft, trübe und ungefiltert, gehört er in ein einfaches, dickwandiges Glas. Manche trinken ihn sogar aus einem Tonbecher, wie man ihn in den Tavernen des Alentejo seit Generationen benutzt. Ein Stielglas müsste ihm keine Feierlichkeit verleihen.
Bei der Temperatur macht man im Alentejo denselben Fehler wie überall sonst: zu warm servieren, weil die Umgebung selbst schon heiß ist. Sechzehn bis achtzehn Grad passen für einen jungen Rotwein, eher Richtung sechzehn für einen frischen vinho de talha. Ein Weißwein aus Antão Vaz verträgt wegen seines Körpers ein etwas größeres Glas als ein schlanker deutscher Riesling. Sonst wirkt er im Glas eng, und seine Öl-Note verschwindet.