
Kooperative bis Quinta
Region & Geschichte
Ein einzelner Gutsbesitzer gab dieser Landschaft ihren Rang im Weinrecht. João de Sacadura Botte Côrte-Real bewirtschaftete um 1900 mehrere Güter, darunter die Quinta da Aguieira mitten im Dão. Er gründete außerdem die erste União Vinícola do Dão, einen Zusammenschluss der Winzer der Provinz Beira Alta. 1908 bekam die Region recht. Sie wurde zur Região Demarcada erklärt, als zweites abgegrenztes Weingebiet Portugals nach dem Douro und als erstes für Weine ohne Alkoholzusatz.
Dann kam eine Regel, die vier Jahrzehnte hielt. In den Vierzigerjahren ordnete Diktator António de Oliveira Salazar an, dass Trauben im Dão nur noch über Kooperativen verkauft werden durften. Private Weinherstellung war verboten, jeder Winzer musste liefern, egal wie sorgfältig er seine Reben gepflegt hatte. Bezahlt wurde nach Gewicht, nicht nach Qualität, und so verschwand über Jahrzehnte jeder Anreiz, im Weinberg mehr zu tun als das Nötigste.
1986 trat Portugal der damaligen EG bei, und die Zwangsregel fiel. Sogrape kaufte 1988 die Quinta dos Carvalhais und füllte 1989 den ersten unabhängigen Jahrgang seit Jahrzehnten ab. 1990 erhielt der Dão dann seinen modernen Status als Denominação de Origem Controlada, mit eigenem Regelwerk für Erträge, Rebsorten und Reifezeiten.
Der eigentliche Beweis kam von kleinen Gütern. Álvaro Castro übernahm 1980 die Quinta da Pellada, deren Aufzeichnungen bis 1570 zurückreichen, und zeigte, dass Sorgfalt im Weinberg auch ohne Kooperative möglich war. 1998 füllte die Quinta dos Roques als erste einen reinsortigen Encruzado ab. Damit rückte sie eine Sorte ins Licht, die zuvor nur zum Verschneiden taugte.
Heute bewirtschaften rund zweitausendzweihundert Winzer die Region, im Schnitt auf einem Fünftelhektar. Die Kooperative Adega de Penalva in Penalva do Castelo, gegründet 1960, vereint bis heute über tausend Mitglieder auf mehr als zwölfhundert Hektar. Sie hat sich verändert, verschwunden ist sie nicht. Sieben Unterzonen teilen den Dão heute, von Besteiros bis zur Serra da Estrela, und wer durch sie fährt, sieht denselben Granit unter jeder von ihnen.