Rebsorten in der Region Madeira

Tinta Negra & Edelsorten

Rebsorten

Eine einzige Rebe trägt heute fast die ganze Insel: Tinta Negra. Sie wächst auf rund neunzig Prozent der Weinberge. Sie liefert das Rohmaterial für die einfachen Drei-Jahres-Weine ebenso wie, mit genug Zeit im Fass, für ordentliche Reserven. Nach der Reblaus-Katastrophe pflanzten die Winzer sie in großem Stil. Sie war robust und trug fast überall – ein Ersatz, der zur Hauptsache wurde.

Vier weitere Sorten gelten als edel. Jede steht für einen eigenen Süßegrad. Sercial ergibt den trockensten Wein der Insel, mit einer Säure, die im Mund fast schneidet, während Verdelho eine Stufe süßer liegt, halbtrocken und mit einem rauchigen Unterton. Boal, im internationalen Handel oft Bual geschrieben, schmeckt schon deutlich süßer und dabei nach getrockneten Feigen. Malvasia, in England Malmsey genannt, ist die süßeste von allen: dunkel, dicht, mit Karamell und Rosinen. Damit eine Flasche einen dieser vier Namen tragen darf, müssen laut EU-Recht seit 1993 mindestens fünfundachtzig Prozent der Trauben aus genau dieser Sorte stammen.

Wie süß ein Madeira wird, entscheidet dabei nicht der Zucker im Keller, sondern der Zeitpunkt der Fortifizierung, also der Zugabe von Traubenbrand. Wird die Gärung früh gestoppt, bleibt viel unvergorener Zucker übrig, und daraus wird Malvasia; lässt man die Hefen dagegen länger arbeiten, essen sie den Zucker fast vollständig auf, und übrig bleibt Sercial. Die Traube selbst legt dabei vor allem die Richtung fest. Sercial reift spät und hoch oben an kühlen Hängen, während Malvasia an den wärmsten, tiefsten Lagen der Südküste steht.

Zwei weitere Namen tauchen nur noch selten auf. Terrantez und Bastardo galten im neunzehnten Jahrhundert als eigenständige Stile. Oidium und die Reblaus löschten sie jedoch fast vollständig aus, und heute wachsen sie nur noch auf wenigen Parzellen. Wer eine Flasche davon findet, hält ein Stück der Insel in der Hand. So wuchs sie fast überall, bevor die Katastrophe kam.

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