
Berg gegen Ebene
Klima
Zwei Klimazonen, kaum zehn Kilometer auseinander. Unten, zwischen Tejo und Sado, ist es klar mediterran: heiße, trockene Sommer, milde, regnerische Winter. Im Schnitt fallen 550 bis 750 Millimeter Regen im Jahr, wobei zwischen Juni und August fast nichts davon fällt. Oben ist alles anders.
Die Serra da Arrábida ragt auf über fünfhundert Meter. Die Ebenen um Palmela dagegen bleiben bei dreißig bis hundert Metern über dem Meer. Schon dieser Höhenunterschied reicht, um dem Wind vom Atlantik eine Angriffsfläche zu geben, an der er hängen bleibt und abkühlt. Oben weht es rauer.
Über zweitausendzweihundert Sonnenstunden im Jahr fallen auf die Region, in den Sommermonaten allein über dreihundert. Für Moscatel Graúdo ist das fast zu viel, denn ihre feinen Duftstoffe verflüchtigen sich in praller Hitze schneller, als die Rebe sie nachbilden kann, weshalb die besten Parzellen dort liegen, wo die Arrábida etwas Schatten und Kühle abgibt.
Castelão braucht das nicht. Er reift spät und verträgt Trockenheit mühelos. Ausgerechnet in der flirrenden Hitze der Palmela-Ebene bringt er mehr Zucker und reifere Tannine hervor als irgendwo sonst auf der Halbinsel, während dieselbe Sonne dem Moscatel oben am Berg schon zu viel wäre. Die Luftfeuchtigkeit hilft beiden.
Sie liegt im Jahresmittel bei 75 bis 80 Prozent, spürbar höher als im trockeneren Landesinneren, weil Tejo, Sado und Atlantik von drei Seiten Feuchtigkeit hereinschieben. Dazu kommt beständiger Wind aus Nord, Nordwest oder West, der die Trauben nach Regen rasch abtrocknet und Pilzbefall fernhält — ein Vorteil vor allem für die dünnschalige Moscatel Graúdo.