
Castelão & Moscatel
Rebsorten
Eine einzige rote Rebe trägt die Weine von Palmela: Castelão, auf den Sandebenen zwischen Palmela und Pegões seit Generationen zu Hause. Die DOC Palmela kennt dabei eine feste Grenze. Mindestens 66,7 Prozent des Mostes müssen von ihr stammen — zwei Drittel, keine runde Zahl, aber unverhandelbar. Den Rest teilen sich meist Trincadeira und ein wenig Alfrocheiro.
Ihren heutigen Namen hat die Rebe erst spät bekommen. Lange hieß sie einfach Periquita. So hieß der Weinberg Cova da Periquita in Azeitão, den José Maria da Fonseca im neunzehnten Jahrhundert bepflanzte, und der Wein von dort wurde so berühmt, dass sein Spitzname auf die ganze Rebsorte überging. Amtliche Kataloge sortierten sie erst später unter Castelão ein.
Beim Boden ist Castelão wählerisch, aber anders, als man erwarten würde. Auf dem schweren Ton-Kalk-Boden der Arrábida bleiben ihre Wurzeln flach. Sie stoßen schon knapp unter der Oberfläche auf Wasser, und der Wein wird dünn und ohne Rückgrat. Im lockeren Sand von Palmela dagegen gräbt sie sich meterweit in die Tiefe. Sie holt sich Wasser erst spät im Sommer, und genau dieser Umweg gibt dem fertigen Wein seine Struktur.
Die zweite große Sorte hier ist weiß: Moscatel Graúdo, auch als Muscat of Alexandria bekannt, ein naher Verwandter des Muskateller. Für die Bezeichnung Moscatel de Setúbal auf dem Etikett braucht es mindestens 85 Prozent davon im Wein. Liegt der Anteil zwischen 67 und 85 Prozent, steht nur noch schlicht „Setúbal“ darauf. Große, lockerbeerige Trauben, viel Duft, wenig Säure — ideal für Süßwein, ungeeignet für einen trockenen Alltagswein.
Daneben gibt es die Moscatel Roxo, eine rosaschalige Spielart mit rosenblütenartigem Duft, feiner und eleganter als ihre weiße Verwandte. Fast wäre sie verschwunden. Die Reblaus hätte sie im neunzehnten Jahrhundert fast ausgelöscht, niemand pflanzte sie mehr nach. José Maria da Fonseca setzte die Sorte wieder in den Boden, andere Betriebe folgten, und heute steht sie, wenn auch selten, wieder in Azeitãos Weinbergen.