
Kooperative bis Quinta
Herstellung
Bis vor wenigen Jahrzehnten lief die Herstellung im Tejo fast überall gleich ab. Trauben gingen an die Genossenschaft und landeten dort in riesigen Betontanks, zusammen mit der Ernte hundert anderer Winzer. Heraus kam ein einheitlicher, meist heller Wein in Fässern für den Export. Individuelle Handschrift gab es kaum, weil niemand genau wusste, wessen Trauben in welchem Tank gerade gärten.
Heute bestimmen zwei Herkunftsstufen, was auf dem Etikett stehen darf. Vinho Regional Tejo erlaubt eine große Bandbreite an Sorten und Herkünften innerhalb der ganzen Region. DOC do Tejo dagegen lässt nur Trauben aus sechs genau festgelegten Zonen zu. Dazu zählen Almeirim, Cartaxo, Chamusca, Coruche, Santarém und Tomar. Seit dem 13.05.2024 regelt die Verordnung (EU) 2024/1143 europaweit, wie solche Herkunftsangaben geschützt sind. Im Keller der einzelnen Betriebe ändert das trotzdem wenig.
Im Keller beginnt die eigentliche Arbeit mit der Ernte. Die fällt je nach Zone unterschiedlich früh aus. Auf der heißen Charneca lesen manche Betriebe schon Ende August. Am kühleren Fluss oder oben im Bairro dürfen die Trauben dagegen bis in den September hinein hängen bleiben. Fernão Pires wird meist kühl und schnell verarbeitet, oft unter zwanzig Grad vergoren, damit die blumigen Aromen nicht durch Hitze verloren gehen.
Bei den roten Sorten dauert die Maischegärung länger. Castelão und Trincadeira liegen je nach Stil zwei bis drei Wochen auf der Maische, damit Farbe und Tannin aus den Schalen genug Zeit haben, in den Wein überzugehen. Danach reift ein Teil der Weine in Stahltanks für Frische, ein anderer Teil in Holzfässern, die runden, was an Tannin sonst zu kantig bliebe.
Ein letzter, unauffälliger Schritt betrifft die Kälte, nicht die Wärme. Vor der Abfüllung kühlen viele Betriebe den Wein gezielt herunter, damit sich Weinstein, feine Kristalle aus überschüssiger Säure, schon im Tank absetzt und nicht erst später am Flaschenboden. Ohne diesen Schritt würde mancher Fernão Pires Jahre später noch kleine, harmlose Kristalle im Glas zeigen, die viele Trinker fälschlich für einen Fehler halten.