Region & Geschichte in der Region Vinho Verde

Minho, 1908, Alvarinho

Region & Geschichte

Am Fluss Minho, der heute Portugal von Spanien trennt, wuchsen Reben, bevor es den Namen Portugal überhaupt gab. Schon römische Autoren wie Plinius der Ältere erwähnten Wein aus dieser feuchten Ecke im Nordwesten der Halbinsel. Dichter wird die Spur erst im Mittelalter, als Klöster und Grundherren Reben zwischen Maisfeldern und Kastanienbäumen zogen; einen eigenen Weinberg gab es dafür kaum.

Im September 1908 zog der portugiesische Staat eine Grenze um dieses Gebiet und schuf damit eine der ältesten amtlich abgegrenzten Weinregionen Portugals. Neun Unterregionen kamen auf einen Schlag dazu, von Monção und Melgaço im Norden bis Baião im Süden. Jede hatte ihren eigenen Regen, ihren eigenen Boden, ihre eigenen Rebsorten. Der Name Vinho Verde, grüner Wein, hat mit der Farbe nichts zu tun. Er meint jung: Der Wein soll binnen weniger Monate getrunken werden, nicht gelagert.

Bis weit ins zwanzigste Jahrhundert war das, was aus diesen Reben floss, vor allem ein saurer Landwein für den eigenen Tisch. Kleinbauern bewirtschafteten winzige Parzellen neben Mais und Kohl. Die Traube war Nebenprodukt einer Landwirtschaft, die vom Getreide lebte. Erst Portugals EU-Beitritt 1986 änderte das. Neue Kellertechniken kamen dazu, Exportmärkte öffneten sich, und aus dem rustikalen Tischwein wurde langsam ein Markenzeichen.

Ein gutes Beispiel für diesen Wandel liefert ausgerechnet die teuerste Rebsorte der Region. Jahrzehntelang durften nur die Weingüter aus Monção und Melgaço ihren Wein Alvarinho nennen. Beide liegen direkt am Fluss Minho. Die übrigen fünfunddreißig Gemeinden pflanzten dieselbe Traube, verkauften sie aber nur unter dem schlichten Namen Vinho Regional Minho. Erst mit dem Jahrgang 2020 fiel diese Regel. Seither darf die ganze Region Alvarinho aufs Etikett schreiben, und Monção und Melgaço bekamen dafür ein eigenes Gütesiegel.

Heute geht mehr als die Hälfte der Flaschen in den Export, vor allem in die USA und nach Deutschland; geblieben ist die Idee von 1908, ein Wein, der jung getrunken werden will und das offen zugibt, statt so zu tun, als wäre er etwas anderes.

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