Rebsorten in der Region Tessin

Merlot und Bondola

Rebsorten

Eine einzige Rebsorte trägt heute fast den ganzen Tessiner Weinbau: Merlot. Sie kam erst 1904 aus Bordeaux ins Land und verdrängte in wenigen Jahrzehnten fast alles andere. Heute steht sie auf gut drei Vierteln der Rebfläche. Kein anderes Schweizer Anbaugebiet hängt so stark an einer einzigen Sorte. Das zeigt Mut und Risiko zugleich.

Im Glas zeigt sich der Tessiner Merlot leichter als sein französisches Vorbild, denn das feuchtwarme Klima und die dünnen, steinigen Böden bremsen zwar nicht den Zucker. Wohl aber bremsen sie den schweren, ausladenden Körper, den Merlot am rechten Bordeaux-Ufer oft bekommt. Heraus kommt ein Wein mit reifer Pflaume, etwas Kirsche und einem samtenen, selten harten Tannin. Das ist jener pelzige Griff im Mund, den man von den Traubenschalen bekommt. Zwischen Sopraceneri und Sottoceneri unterscheidet ihn vor allem die Länge: im kühleren Norden schlanker und straffer, im wärmeren Süden dichter und dunkler.

Vor Merlot regierte die Bondola, eine alte einheimische Sorte mit dünner Schale und heller Farbe. Kaum kräftiger als ein Rosé, dafür saftig und leicht trinkbar. Nach dem Merlot-Boom schrumpfte ihre Fläche auf unter zwei Prozent, gemeinsam mit der verwandten Bondoletta. Ein paar Winzer bauen sie trotzdem weiter an, vor allem im Sopraceneri. Sie schenken sie jung im Grotto aus, so wie man es dort schon vor zweihundert Jahren tat.

Merlot ist obendrein die einzige Sorte weit und breit, die im selben Kanton als kräftiger Rotwein und als heller Merlot bianco abgefüllt wird. Für den Bianco presst man ihn dabei ganz ohne Schalenkontakt. Für Verschnitte reifen daneben kleine Mengen Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und die Neuzüchtung Gamaret, bei den Weissen Sauvignon Blanc, Chardonnay und Semillon, doch ein DOC-Merlot darf dabei nur mit Wein aus der italienischen Schweiz selbst verschnitten werden, nie mit Trauben von ausserhalb des Kantons. Reinsortig bleibt der grosse Rest trotzdem Merlot pur.

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