Klima in der Region Tessin

Föhn, Sonne, Regen

Klima

Im Schnitt scheint im Tessin die Sonne rund 2200 Stunden im Jahr, mehr als in jedem anderen Kanton nördlich der Alpen. Das brachte ihm den Übernamen Sonnenstube der Schweiz ein. Gleichzeitig regnet es nirgends in der Schweiz so viel wie hier, zwischen 1500 und 2200 Millimetern im Jahr, je nach Tal, und beides zugleich zu sein, sonnig und regenreich, ist selten und macht das Tessiner Klima zu einem eigenen Fall. Das prägt jeden Jahrgang.

Warme, feuchte Mittelmeerluft trifft am Alpensüdrand auf die Berge und regnet sich ab, oft heftig und kurz statt lang und gleichmässig. Klimatologen nennen das Klima insubrico, das feuchtwarme Übergangsklima der Alpensüdseite. Die grossen Seen mildern die Ausschläge. Lago Maggiore und Lago di Lugano speichern die Sommerwärme und geben sie im Herbst langsam wieder ab, wodurch Fröste an ihren Ufern selten bleiben, weshalb genau dort, an den Hängen um Ascona, Locarno und Lugano, die wärmsten Weinberge liegen.

Die Feuchtigkeit hat aber ihren Preis. Pilzkrankheiten wie der Falsche Mehltau lieben warme, nasse Blätter. Tessiner Winzer müssen deshalb öfter in den Weinberg als ihre Kollegen im trockenen Wallis. Reihen stehen deshalb weiter auseinander als anderswo, damit Wind und Sonne die Blätter rasch wieder trocknen. Viele Rebstöcke wachsen zudem an Drahtspalieren statt in dichter Buschform, damit die Trauben Luft bekommen.

Zwei Klimazonen teilen sich den Kanton. Zwischen Sopraceneri und Sottoceneri liegt ein spürbarer Unterschied, obwohl kaum vierzig Kilometer die beiden Gebiete trennen. Nördlich des Monte Ceneri, in den Tälern um Bellinzona, die Leventina und das Vallemaggia, bleibt es kühler, und die Reben reifen später. Südlich davon, um Lugano und im Mendrisiotto, wärmt der Föhn, ein warmer Fallwind von den Alpenkämmen herab, die Hänge zusätzlich auf. Die Ernte beginnt dort oft eine Woche früher. Im Süden wachsen deshalb die kräftigeren Riserva-Weine, im Norden die frischeren, leichteren Merlots.

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