
Monastrell & Cencibel
Rebsorten
Eine Rebsorte trägt hier fast die ganze Ernte. Monastrell steht auf etwa siebzig Prozent der Rebfläche der DOP Jumilla. Die Beeren sind klein und kugelig, dunkel und dickschalig, an einem Holz, das Trockenheit, Spätfrost und vierzig Grad im Schatten wegsteckt, ohne zu klagen. Genau diese dicke Schale macht den Unterschied. Sie liefert Farbe und Tannin im Überfluss, während das Fruchtfleisch selbst hell und weich bleibt und kaum eigenen Geschmack mitbringt.
Verwirrend wird es beim Namen der zweiten Sorte. Cencibel klingt nach einer eigenen Rebe. Tatsächlich ist es nur der Name, unter dem Tempranillo hier im Südosten wächst — dieselbe Traube wie im Norden, nur unter anderem Namen und im heißeren Klima deutlich früher reif. Dazu kommen Garnacha, Garnacha Tintorera, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Petit Verdot. Alle sind im Regelwerk der Denominación zugelassen, aber keine von ihnen kommt an die Fläche der Monastrell auch nur annähernd heran.
Ein Teil dieser Reben steht noch auf eigener Wurzel. Über tausend Hektar in Jumilla wurden nie auf amerikanische Unterlagen umgepfropft. Es ist die größte zusammenhängende Fläche wurzelechter Reben in ganz Europa, fast durchweg Monastrell aus der Zeit vor 1989. Wer solche Trauben zu mindestens fünfundachtzig Prozent verarbeitet und dazu Stöcke von mindestens dreißig Jahren nutzt, darf „Viña Vieja“ aufs Etikett schreiben. Nachweispflichtig über das Rebflächenregister, nicht bloß behauptet.
Die berühmteste dieser Parzellen gehört Casa Castillo. Ihr Pie Franco wächst auf einem Südhang aus Kalk und Geröll, gepflanzt in den Vierzigerjahren vom Großvater der heutigen Generation. Für den Jahrgang 2020 vergab der Kritiker Luis Gutiérrez in der Wine Advocate hundert von hundert Punkten, zum ersten Mal in der Geschichte der Region. Ein wurzelechter Weinberg mitten in der spanischen Provinz, älter als die Denominación selbst, hatte damit die höchste Note erreicht, die ein Weinkritiker überhaupt vergeben kann.