
Wind, Wolken, Höhe
Klima
Ein einziger Berg genügt, um das Klima der Kanaren in zwei Hälften zu teilen. Auf Teneriffa trifft der Passatwind, die Alisios, von Nordosten auf den Teide und staut sich dort zu einer Wolkendecke, die man hier panza de burro nennt, den Bauch des Esels. Darunter bleibt es feucht und grün. Dahinter, auf der Südseite, nur Sonne und Trockenheit.
Über dieser Wolkendecke bleibt es meist sonnig, und genau dort, zwischen elfhundert und gut sechzehnhundert Metern Höhe, liegen bei Vilaflor einige der höchsten Weinberge Europas. Sie liegen höher sogar als das Schweizer Visperterminen, das bis vor kurzem als höchstgelegener Weinberg des Kontinents galt. Die Wolken selbst heißen mar de nubes, Wolkenmeer: Von oben blickt man auf eine geschlossene weiße Fläche wie aufs offene Meer.
Wie stark der Unterschied ausfällt, zeigt der Regen. Tacoronte-Acentejo im feuchten Norden Teneriffas bekommt reichlich Niederschlag von den Alisios ab, dazu Nebel und Tau übers ganze Jahr. Lanzarote dagegen fängt kaum Wolken ein. Manche Jahre bleiben dort unter hundert Millimetern Regen im ganzen Jahr.
Was den Wein trotzdem frisch hält, ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Auf elfhundert Metern kühlt es nachts spürbar ab, selbst wenn tagsüber die Sonne brennt. Diese Kühle bremst den Säureabbau in der reifenden Beere, der bei ungebremster Hitze längst verflogen wäre. Auf so kleinem Raum wechseln Bodenart, Windrichtung und Wolkenhöhe oft im Abstand weniger Kilometer, dazu kommen Höhenunterschiede von tausend Metern und mehr auf ein und derselben Insel. Zwei Weinberge derselben Insel schmecken deshalb manchmal nach zwei verschiedenen Welten.