
Listán & Co.
Rebsorten
Über hundert verschiedene Rebsorten wachsen auf den Kanaren. Eine Zahl, die kaum jemand erwartet. Das Instituto Canario de Investigaciones Agrarias hat rund hundertfünfunddreißig davon genetisch bestimmt, mehr als anderswo in Europa auf so kleiner Fläche. Viele sind Reste einer Sortenvielfalt, die auf dem Festland längst der Reblaus und dem Massengeschmack zum Opfer fiel. Wer hier eine alte Rebe findet, findet oft ein Stück Weingeschichte, das es sonst nirgends mehr gibt.
Am meisten steht Listán Negro, die wichtigste rote Sorte des gesamten Archipels. Sie treibt kräftig und ergibt helle, leichte Rotweine mit wenig Tannin, viel Säure und einem salzigen Unterton, den Winzer der Nähe zum Meer zuschreiben. Auf Teneriffa ist sie mit Abstand die häufigste rote Sorte.
Bei den weißen Sorten führt Listán Blanco, dieselbe Rebe, die man im andalusischen Jerez Palomino Fino nennt und aus der dort Sherry entsteht. Auf den Kanaren ergibt sie trockene, frische Weißweine, ganz ohne die Oxidation, die man von der Sherryherstellung kennt. Auf Lanzarote dominiert eine andere Sorte: Malvasía Volcánica. Sie ist aromatisch, mal ganz trocken, mal edelsüß, mit einem Duft nach reifer weißer Frucht und einer rauchig-mineralischen Note vom vulkanischen Boden.
Dazu kommt eine lange Liste kleinerer Namen. Negramoll, genetisch dieselbe Rebe wie der andalusische Mollar Negro, ergibt weichen, fruchtigen Rotwein und wächst auch auf Madeira, wo man sie Tinta Negra nennt. Vijariego Negro und Vijariego Blanco liefern vor allem Säure und Frische, Marmajuelo duftet nach Aprikose und Maracuja, und Gual ist dieselbe Traube, die man auf Madeira Bual nennt. Drei Namen, ein einziger Boden trägt sie alle. Baboso Negro steht meist nur noch in kleinen, alten Parzellen. Moscatel de Alejandría liefert, oft mit Alkohol aufgespritet, die süßesten Weine der Inseln. Kaum eine dieser Sorten würde man außerhalb der Kanaren überhaupt noch finden.