
Tempranillo, Garnacha, Oneca
Rebsorten
Eine Rebe führt heute die Liste an, und es ist nicht die, mit der Navarra berühmt wurde. Tempranillo bedeckt inzwischen rund vierunddreißig Prozent der Rebfläche, etwa viertausend Hektar, verteilt über Ribera Alta, Ribera Baja und Tierra Estella. Sie reift zuverlässig, verzeiht wenig und liefert Tanninstruktur für den Ausbau im Fass.
Garnacha war einmal fast alles. Ein Forschungsbericht der EVENA datiert die ersten Erwähnungen der Sorte in Navarra auf das Jahr 1746. Ende der Siebzigerjahre bedeckte sie fast neunzig Prozent der gesamten Rebfläche – widerstandsfähig gegen Trockenheit und den echten Mehltau, der um 1900 halb Europa plagte. Heute ist sie zweite Sorte hinter Tempranillo, konzentriert vor allem in der kühleren, regenreicheren Baja Montaña, wo sie über die Hälfte des Weinbergs stellt.
Dort entsteht der klassische Rosado. Erlaubt ist nur das sangrado. Dabei lässt man den Most aus den roten Trauben ohne Pressung von selbst abfließen, während die Schalen kurz mitmazerieren. Höchstens vierzig Liter Most pro hundert Kilogramm Trauben dürfen so abgezogen werden. Das Ergebnis ist farbintensiv, fruchtig, fast schon süß wirkend im Antrunk – dabei ist der Wein trocken.
Fünf weitere rote Sorten stehen auf der Liste des Consejo Regulador – Graciano, Mazuelo, Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah und Pinot Noir –, von denen die meisten erst nach 1980 dazukamen, als sich die Bodegas von reiner Rosado-Produktion lösten und nach mehr Struktur für den Fassausbau suchten. Bei den Weißen dominieren Viura, Chardonnay, Garnacha Blanca und Malvasía; Moscatel de Grano Menudo liefert die traditionellen Süßweine des trockenen Südens.
Die jüngste Entdeckung übertrifft alle Zulassungslisten. Ein Winzer in Bargota hielt eine einzelne Rebzeile jahrzehntelang für Garnacha Blanca. Erst ihre rötlichen Triebe und ein ungewöhnliches Aroma weckten 2008 erste Zweifel. Eine DNA-Analyse bestätigte 2023: völlig unbekannt, isoliert seit den Vierzigerjahren. Man nannte sie Oneca, nach der Mutter des Íñigo Arista, des ersten Königs von Pamplona. Die erste Ernte lieferte dreitausenddreihundert Flaschen einer Sorte, die fast siebzig Jahre lang niemand kannte.