
Cargols, Xai, Romesco
Wein & Essen
Wer im Priorat isst, isst meist das, was das karge Land hergibt: wenig Fleisch, aber intensiv gewürzt, dazu viel vom eigenen Olivenöl. Rund um Falset und die umliegenden Dörfer trägt dieses Öl sogar ein eigenes Gütesiegel. Es heißt Denominación de Origen Siurana und wird vor allem aus der Sorte Arbequina gepresst.
Ein Gericht, das es fast nirgendwo sonst so gibt, sind cargols a la llauna: Weinbergschnecken, direkt auf einem Blech über glühender Glut gegart, offen serviert mit Allioli oder Romesco zum Eintunken. Der Rauch von der Glut und die Schärfe der Sauce brauchen einen Wein, der beides aushält, ohne selbst zu verschwinden.
Genau das leistet Romesco, die katalanische Sauce aus gerösteten Tomaten, Mandeln, Haselnüssen und getrockneten Ñora-Paprika. Sie wird zu fast allem im Priorat gereicht: zu gegrilltem Lamm, zu Kaninchen, zu einfachem Gemüse vom Feuer. Sie ist kräftig genug, um neben einem dichten Priorat-Rotwein zu bestehen, statt darin unterzugehen.
Gegrilltes Lamm, katalanisch xai genannt, bringt genug Fett mit, um das kräftige Tannin der Samsó-Trauben abzurunden. Fett umhüllt die Zunge. Tannin, das sonst rau wirkt, gleitet darüber hinweg, fast wie Seife über fettige Haut. Ohne dieses Fett würde derselbe Wein neben einem leichten Salat bitter und hart schmecken.
Nicht jedes Gericht verträgt diese Wucht. Zu zartem Fisch oder hellem Gemüse wirkt ein schwerer Priorat-Rotwein schnell erdrückend. Dafür gibt es die seltenen weißen Priorats aus Garnacha Blanca, mit weniger Gewicht und einer feinen Kräuternote. Wer beide Farben im Keller hat, muss selten auf einen Wein aus der Region verzichten, egal was auf dem Teller liegt.