
Mönche, Filoxera, Clos
Region & Geschichte
Im Jahr 1194 holte König Alfons II. von Aragón eine Handvoll Mönche aus der Provence ins Priorat, Kartäuser aus dem Orden des heiligen Bruno. Sie sollten ein gerade zurückerobertes Bergtal besiedeln, das damals fast menschenleer war. Aus dieser Ansiedlung wurde die Kartause Scala Dei. Sie liegt an einem steilen Hang unterhalb der Bergkette, die das Tal bis heute vor kalten Winden schützt. Der Bau zog sich hin, geweiht wurde die Kartause erst 1215.
Der Name Priorat kommt genau von hier. Sieben umliegende Dörfer unterstanden dem Prior des Klosters wie einem weltlichen Herrn, und ihr gemeinsames Gebiet hieß bald schlicht sein Priorat. Die Mönche kauften Land, rodeten Hänge und pflanzten Reben, wo vorher nur Ginster wuchs, und 1263 stand der erste dokumentierte Wein aus ihren eigenen Fässern. Wein und Kloster gehörten von da an zusammen, fast siebenhundert Jahre lang, bis 1835 die Desamortisation Mendizábals alle Klöster in Spanien enteignete und die letzten Mönche das Tal verließen.
Fünf Familien kauften die verlassenen Gebäude und Weinberge 1844 und gründeten eine gemeinsame Gesellschaft, aus der später der Keller Cellers de Scala Dei hervorging. Ihr Wein reiste weit. 1878 stellten sie ihn auf der Weltausstellung in Paris aus, ein kleines Bergtal aus Katalonien neben den großen Namen Frankreichs. Kurz darauf kam die Katastrophe. Die Reblaus erreichte Ende des neunzehnten Jahrhunderts auch das Priorat und vernichtete den Großteil der rund fünftausend Hektar Reben, die hier einmal standen.
Danach ging es fast hundert Jahre bergab. Das spanische Weinstatut von 1932 erkannte das Priorat zwar als Schutzgebiet an, doch Bürgerkrieg und Weltkrieg verhinderten jede Umsetzung. Erst am 23. Juli 1954 bekam die Region ihre erste eigene Herkunftsbezeichnung. Viel änderte das zunächst nicht. In den Sechziger- und Siebzigerjahren zogen junge Leute in die Städte, Weinberge verwilderten, und wer blieb, verkaufte seine Trauben meist lose an Genossenschaften.
Die Wende kam 1979, mit einem Winzer aus Barcelona: René Barbier. Er kaufte die ersten Parzellen, überzeugt von der alten Schiefererde, und holte Freunde ins Tal, darunter Álvaro Palacios, Josep Lluís Pérez, Carles Pastrana und Daphne Glorian. Zu fünft teilten sie sich in Gratallops für die Jahrgänge 1989 bis 1991 eine einzige Kellerei. Sie füllten denselben Wein unter fünf verschiedenen Namen ab: Clos Mogador, Clos Dofí, Clos Martinet, Clos de l'Obac und Clos Erasmus. Erst ab 1992 trennten sich ihre Wege, jeder mit eigenem Keller, und die englischsprachige Fachpresse nannte die Gruppe später schlicht die Gang of Five.
2000 erklärte die katalanische Regierung das Priorat zur Denominació d'Origen Qualificada, dem höchsten Rang, den Katalonien vergibt. Rioja war bis dahin die einzige Region Spaniens mit einem vergleichbaren Titel. Der spanische Staat brauchte länger: Erst 2009 bestätigte Madrid den Rang offiziell auch als Denominación de Origen Calificada. Bis heute teilen sich nur diese zwei Regionen den höchsten spanischen Qualitätsstatus.