
Garnacha und Samsó
Rebsorten
Zwei Reben tragen das Priorat, und das Regelwerk der Herkunftsbezeichnung nennt sie ausdrücklich als empfohlen: Garnacha Tinta und Samsó. Samsó ist der katalanische Name für Cariñena, anderswo auch Mazuelo oder Carignan genannt. Wer nur den einen Namen kennt, findet im Priorat plötzlich denselben Wein unter einem fremden Wort wieder.
Garnacha treibt früh aus und reift spät, mit dünner Schale und viel Zucker. Das gibt ihr hohe Alkoholwerte und eine weiche, rote Frucht: Kirsche, Erdbeere, mediterrane Kräuter. Auf den warmen unteren Hängen wird sie oft mächtig, mit Aromen von Rosinen und Gewürz, sobald man sie zu spät liest. Ihr fehlt aber häufig die Struktur, um jahrzehntelang zu reifen, und genau da kommt die zweite Rebe ins Spiel.
Samsó gleicht das aus. Sie bringt dunkle Farbe, feste Säure und viel Tannin mit, dazu einen Duft nach schwarzer Olive und Lakritz. Wo Garnacha weich macht, hält Samsó zusammen. Gemischt ergeben beide Reben den dichten, fast schwarzen Wein, für den das Priorat weltweit bekannt wurde.
Wie viel von beiden mindestens im Glas stecken muss, schreibt die Herkunftsbezeichnung genau vor. Ein Vi de Vila, ein Dorfwein aus einer der zwölf anerkannten Gemeinden, braucht mindestens sechzig Prozent Garnacha und Samsó zusammen. Bei einem Vi de Paratge, einem Lagenwein aus einer einzigen anerkannten Parzelle, gilt dieselbe Grenze. Die höchste Stufe, Gran Vinya Classificada, verlangt neunzig Prozent.
Ein Teil dieser Reben ist uralt. Nach der Reblauskatastrophe pflanzten die Bauern in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts neu, als kleine freistehende Büsche ohne Draht und Pfahl, und manche dieser Stöcke stehen heute noch, über achtzig, manchmal hundert Jahre alt. Winzer nennen sie vinyes velles, alte Reben. Weil der Schieferboden kaum Nährstoffe hergibt, tragen sie im Schnitt nur ein einziges Kilogramm Trauben pro Stock und Jahr.
Als René Barbier und seine Freunde in den Achtzigerjahren in Gratallops neu pflanzten, brachten sie auch fremde Reben mit. Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah sind im Regelwerk zugelassen, wenn auch nicht empfohlen. Sie geben manchen Cuvées mehr Farbe und ein glatteres Tannin. Weißwein bleibt dagegen die Ausnahme; er macht nur rund sieben Prozent der Rebfläche aus, meist aus Garnacha Blanca, und wächst vor allem in den kühleren, höher gelegenen Parzellen.