Region & Geschichte in der Region Rías Baixas

Mönche, Reblaus, Fiesta

Region & Geschichte

Ein Mönch soll die erste Rebe hierhergebracht haben. So erzählte es jedenfalls der galicische Schriftsteller Álvaro Cunqueiro: Cluniazenser aus Burgund hätten sie im zwölften oder dreizehnten Jahrhundert bis zum Kloster Santa María de Armenteira getragen, mitten im Val do Salnés. Im Gepäck: eine Rebe, die stark nach Riesling klang. Die Geschichte klingt gut. Genetische und morphologische Untersuchungen haben sie inzwischen widerlegt: Albariño ist eine einheimische galicische Sorte, älter als das Kloster und ohne Verwandtschaft zum Rhein.

Die Reblaus kam hierher spät und traf auf Widerstand. Erst 1899 meldete man die ersten Fälle in der Provinz Pontevedra, mehr als zwanzig Jahre nachdem sie im Rest Spaniens gewütet hatte. Die traditionelle Erziehung der Reben im Emparrado, hoch über dem Boden, bremste ihre Ausbreitung zusätzlich. 1909 waren gerade einmal knapp vier Prozent der Rebfläche befallen.

Lange bevor ein Gesetz den Namen schützte, verteidigten das die Leute selbst. Am 28. August 1953 stellten Bernardino Quintanilla Álvarez und Ernesto Zárate in Cambados die besten Albariños der Umgebung nebeneinander. Sie kürten einen Sieger, und aus diesem geselligen Nachmittag wurde die Festa do Albariño, heute Galiciens ältestes Weinfest. 1977 erklärte man sie zum Fest von touristischem Interesse, 1990 zum nationalen, 2018 zum internationalen.

Der Rechtsweg kam erst Jahrzehnte später, ziemlich verschlungen. Am 11. Oktober 1980 erschien im spanischen Staatsanzeiger die Denominación Específica Albariño, benannt nach der Traube statt nach dem Ort, was jahrelang verwirrte. Erst mit der Verordnung vom 28. Juli 1988 erkannte das Landwirtschaftsministerium die Denominación de Origen Rías Baixas endgültig an, diesmal nach der Landschaft benannt statt nach der Rebe. Seitdem sitzt der Regulierungsrat im Pazo de Mugartegui in Pontevedra.

Der Name selbst beschreibt die Küste, an der das alles liegt. Rías Baixas heißt „untere Meeresarme“. Er unterscheidet die vier breiten, weit ins Land reichenden Buchten um Vigo, Pontevedra, Arousa und Muros e Noia von den schmaleren Rías Altas weiter nördlich. In diesen Trichtern trifft der Atlantik auf Süßwasser aus den Flüssen, und genau in diesem Wechselspiel wächst seit Jahrhunderten mehr Albariño als irgendwo sonst.

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