Rebsorten in der Region Rías Baixas

Albariño & Alvarinho

Rebsorten

Fast jede Rebe hier heißt Albariño. Sie bedeckt über viertausend Hektar und liefert mehr als sechsundneunzig Prozent dessen, was in der Region abgefüllt wird — kaum ein anderes spanisches Weißweingebiet ist so stark auf eine Sorte konzentriert. Sie baut viel Zucker auf, verliert dabei aber kaum Säure. Genau dieser Widerspruch macht ihren Ruf aus: Weine mit über zwölf Volumenprozent Alkohol, die trotzdem frisch und schlank schmecken, mit Aromen von Zitrusfrucht, reifem Steinobst und Blüten.

Überquert man den Miño Richtung Süden, heißt dieselbe Traube plötzlich anders. In Portugal darf Alvarinho nur in den Gemeinden Monção und Melgaço im Vinho Verde wachsen. Genetisch ist es dieselbe Sorte. Trotzdem schmeckt sie dort oft mineralischer, während sie in Rías Baixas fruchtbetonter auftritt. Zwei Namen, ein Fluss dazwischen, ein spürbarer Unterschied im Glas.

Wie viel Albariño tatsächlich im Glas landet, regelt jede Subzone anders. In Val do Salnés und in der Ribeira do Ulla müssen mindestens siebzig Prozent aus Albariño stammen, in der Ribeira do Ulla zusammen mit Loureira, Treixadura und Caíño Blanco. Im Condado do Tea genügen siebzig Prozent Albariño und Treixadura zusammen, in O Rosal siebzig Prozent Albariño und Loureira. Der Rest darf aus weiteren Sorten der Subzone stammen. Nirgendwo verschwindet Albariño ganz, aber die Nachbarn dürfen mitreden.

Diese Nachbarn haben eigene Geschichten. Loureira, auch Marqués genannt, riecht nach Lorbeer und bringt hohe Säure bei wenig Zucker, ideal für den Verschnitt in O Rosal. Treixadura, zu Hause im Condado do Tea, gibt grünen Apfel und Blütenduft dazu. Caíño Blanco stand kurz vor dem Aussterben, wächst heute wieder in O Rosal, kräftig genug für einen eigenständigen Wein. Godello reift gut im Fass, Torrontés braucht viel Pflege gegen Frost und Mildiu.

Rote Sorten bleiben daneben eine Randnotiz. Espadeiro, Caíño Tinto, Sousón, Loureira Tinta und Brancellao ergeben zusammen weniger als ein Prozent der Rebfläche, dazu kommt gelegentlich Mencía. Meist bleiben sie unter sich, in kleinen, oft unetikettierten Partien für den eigenen Tisch. Die große Erzählung dieser Region bleibt weiß, salzig und mit Albariño unterschrieben.

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