Rebsorten in der Region Ribera del Duero

Tinto Fino & Albillo

Rebsorten

Eine einzige Rebe trägt hier fast die gesamte Region: Tempranillo, die am Duero niemand bei ihrem Rioja-Namen nennt. Hier heißt sie Tinto Fino oder Tinta del País, je nachdem, wen man fragt. Das Regelwerk der Denominación verlangt von jedem roten Wein mindestens fünfundsiebzig Prozent davon. Wer sie hier trinkt, trinkt also fast immer dieselbe Traube wie in Rioja, nur an einem härteren Ort gewachsen.

Der Unterschied liegt nicht im Erbgut, sondern im Ort. Auf der kargen, hoch gelegenen Ribera reift Tinto Fino langsamer als im milderen Rioja. Die Beeren bleiben kleiner, die Schalen dicker, und der Wein speichert mehr Farbe und Säure. Winzer sprechen von einer eigenen, regionalen Ausprägung der Sorte, entstanden durch Jahrhunderte an genau diesem Hang, an genau diesem Fluss.

Neben der Hauptsorte lässt das Regelwerk vier weitere zu, allerdings nur in kleinen Anteilen. Cabernet Sauvignon, Garnacha Tinta, Malbec und Merlot brachte Vega Sicilia bereits im neunzehnten Jahrhundert aus Bordeaux mit, ursprünglich für Branntwein gedacht, nicht für großen Rotwein. Manche Güter mischen bis heute einen Schuss Cabernet in ihren Tinto Fino, spürbar an einer dunkleren Frucht und einer strengeren Kante. Dominant bleibt fast überall trotzdem die einheimische Rebe.

Eine weiße Rebe gehört ebenfalls zur Familie, auch wenn sie selten im Vordergrund steht. Albillo Mayor heißt sie, in der Region auch schlicht Albillo genannt, und ist seit Menschengedenken hier zu Hause. Winzer gaben früher ein paar ihrer Trauben in den roten Most, um Frische hineinzubringen, lange nur in engen Grenzen erlaubt, seit 2023 aber bis zu fünfundzwanzig Prozent statt vorher nur fünf. Ein eigenständiger Weißwein aus Albillo Mayor braucht mindestens fünfundsiebzig Prozent der Sorte und schmeckt, anders als sein roter Nachbar, nach reifer Birne und Kamille.

Ein Rest aus älterer Zeit steckt noch in wenigen Parzellen, die schon vor dem 21. Juli 1982 bestockt waren. Dort dürfen bis heute vereinzelte alte Sorten mitstehen, mit fast vergessenen Namen wie Valenciana oder Chasselas Doré. Sie sind Randnotizen, keine tragenden Säulen. Aber sie zeigen, wie viele Reben hier einmal nebeneinander wuchsen, bevor sich eine einzige durchsetzte.

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