Region & Geschichte in der Region Ribera del Duero

Pintia bis Pesquera

Region & Geschichte

Unter den Grundmauern von Pintia, einer vakzäischen Siedlung bei Padilla de Duero, fanden Archäologen Rückstände von Wein, die auf zweieinhalbtausend Jahre datiert wurden. Getrunken wurde am Duero also lange vor den Römern. Die kamen trotzdem mit Wucht, und ihre Spuren liegen bis heute im Boden. Bei der Weinlese 1972 legte ein Pflug in Baños de Valdearados ein römisches Mosaik frei, sechsundsechzig Quadratmeter groß, mit Bacchus und seinem trunkenen Gefolge in der Mitte, eines der größten Bacchus-Mosaike der ganzen iberischen Halbinsel.

Was in Aranda de Duero unter der Erde liegt, ist beeindruckender als das, was oben steht. Zwischen dem zwölften und dem achtzehnten Jahrhundert gruben die Bewohner mehr als sieben Kilometer Gänge unter die Altstadt. Hundertfünfunddreißig Keller sind bis heute erhalten, ausgestattet mit runden Steingewölben und schmalen Zugängen. Frischluft kam über die zarceras herein, schlanke Schächte von der Straße bis zur Kellerdecke, die bis heute wie kleine Schornsteine aus dem Pflaster ragen. Ohne sie wäre die Arbeit unten lebensgefährlich gewesen: Der Gärdunst, den man tufo nannte, verdrängte den Sauerstoff schneller, als ein Mensch es merken konnte. Elf bis dreizehn Grad hält es dort unten, das ganze Jahr über. Konstant wie in einem Kühlschrank.

Der nächste Sprung kam aus Bordeaux, auch wenn er in Valbuena del Duero landete. Eloy Lecanda hatte dort das Weinmachen gelernt und brachte 1864 französische Reben mit in seine neue Heimat: Cabernet Sauvignon, Merlot, Malbec. Gedacht waren sie eigentlich für Branntwein. Was am Ende überzeugte, war aber keine der importierten Sorten, sondern die heimische Tinto Fino. Sie behauptete sich zwischen den fremden Reben und ergab den besten Wein im Keller. Bis zu seinem Tod 1894 hatte Lecanda fünfhunderttausend Rebstöcke gepflanzt. Mit ihnen legte er den Grundstein für Vega Sicilia, das Weingut, das der ganzen Region bis heute vorausläuft.

Fast hundert Jahre später kaufte ein Landmaschinenhändler aus Pesquera de Duero eine Steinpresse aus dem sechzehnten Jahrhundert und begann, nebenbei Wein zu machen. Alejandro Fernández füllte 1975 seinen ersten Jahrgang unter dem Namen Tinto Pesquera ab, benannt nach seinem Heimatort. Sieben Jahre danach, am 21. Juli 1982, erhielt die Region offiziell den Status einer Denominación de Origen, mit nur zwölf Gründungsweingütern zum Start. Unter ihnen war Fernández.

1985 verglich der amerikanische Kritiker Robert Parker den Jahrgang 1982 von Tinto Pesquera mit den großen Bordeaux-Châteaus und vergab dafür achtundneunzig von hundert Punkten. Über Nacht kannte die halbe Weinwelt einen Ort, von dem sie vorher nie gehört hatte. Heute zählt die Denominación über dreihundert Weingüter, doch ihr Rat sitzt bis heute nicht in der größten Stadt der Region. Er sitzt in Roa, einem der kleineren Orte an diesem Fluss.

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