
Höhe gegen Hitze
Klima
Wer im August durch die Weinberge der Ribera fährt, schwitzt. Wer im Januar dieselbe Straße nimmt, friert bis auf die Knochen. Das amtliche Klimaprofil der Region nennt zweiundvierzig Grad im Hochsommer und bis zu minus zwanzig Grad im Winter als gemessene Extreme, und dazwischen liegt fast nichts Mildes. Fachleute nennen das ein kontinentales Mittelmeerklima mit atlantischem Einschlag, ein Kompromiss aus mehreren Wettersystemen, von denen keines allein regiert.
Grund dafür ist vor allem die Höhe. Die Weinberge liegen zwischen etwa siebenhundertfünfzig Metern in den Talböden und gut tausend Metern auf den Kuppen der Hügel, mitten auf der kastilischen Meseta, weit weg vom Meer. Für Spanien ist das hoch. Diese Lage kühlt selbst einen heißen Sommertag ab, sobald die Sonne untergeht.
Genau dieser nächtliche Sturz macht den Wein. Tagsüber steigen die Temperaturen während der Reife auf sommerliche Höchstwerte, nachts fallen sie um fünfzehn bis zwanzig Grad, und die Rebe reagiert auf beides. Tagsüber baut sie Zucker und Farbe auf, nachts hält die Kälte die Säure fest, die bei ungebremster Hitze längst verflogen wäre. Ohne diesen Sprung schmeckte Tinto Fino stumpf.
Der Frost bleibt trotzdem eine Gefahr, und zwar über einen erschreckend langen Zeitraum: Das Risiko reicht vom 17. September bis zum 6. Juni, fast neun Monate im Jahr. Regen fällt dazu wenig, um die vierhundert Millimeter im Jahresmittel, in Aranda de Duero liegt der langjährige Schnitt bei rund vierhundertfünfunddreißig Millimetern. Verlässlich ist an diesem Klima wenig außer seiner Härte.
Die Regenmenge allein sagt deshalb wenig. Entscheidend ist, wann der Regen fällt, und meist fällt er im Frühling und im Herbst, nicht im Sommer, wenn die Reben am meisten Wasser brauchen. Was der Himmel nicht liefert, muss der Boden speichern und in den trockenen Wochen wieder abgeben.