
Fasszeit als Gesetz
Herstellung
Kein anderes spanisches Anbaugebiet ordnet seine Weine so konsequent nach Fasszeit wie Rioja. Der Consejo Regulador unterscheidet vier Stufen, und jede davon steht mit klar geregelten Mindestzeiten auf dem Etikett — kontrolliert und nicht bloß behauptet.
Ein Cosecha, oft auch Genérico genannt, kommt ohne verpflichtende Fassreife in den Verkauf und bleibt fruchtig und jung. Ein Crianza braucht insgesamt mindestens zwei Jahre. Mindestens zwölf Monate davon liegen in einem zweihundertfünfundzwanzig Liter fassenden Eichenfass, der Rest in der Flasche. Beim Reserva sind es mindestens drei Jahre insgesamt. Wieder mindestens zwölf Monate davon liegen im Fass, danach folgen noch einmal mindestens sechs Monate Flaschenreife. Am strengsten ist der Gran Reserva, vorbehalten großen Jahrgängen. Sechzig Monate insgesamt verlangt er, davon mindestens vierundzwanzig im Fass und mindestens vierundzwanzig in der Flasche. Für Weiß- und Roséweine gelten dabei durchweg kürzere Fasszeiten als für Rotwein.
Traditionell reifte Tempranillo fast ausschließlich in amerikanischer Eiche, die Vanille und Kokosnote gibt. In den alten Kellern des Barrio de la Estación in Haro liegt sie noch heute in ganzen Reihen. Seit einigen Jahrzehnten nutzen viele Bodegas daneben auch französische Eiche, zurückhaltender im Aroma, mit feineren Röstnoten. Welches Holz zu Tempranillo passt, ist bis heute eine Streitfrage zwischen den Häusern.
2017 kam ein zusätzliches System dazu, unabhängig von der Fasszeit: Vino de Zona nennt die Herkunft aus einer der drei Subzonen, Vino de Municipio die Herkunft aus einer von hundertvierundvierzig Gemeinden, und die strengste neue Stufe heißt Viñedo Singular. Sie verlangt Reben mit mindestens fünfunddreißig Jahren Alter, Handlese, einen Höchstertrag von fünftausend Kilogramm je Hektar bei roten Sorten und zwei bestandene Verkostungen durch ein Fachgremium.
Die ersten offiziell anerkannten Viñedos Singulares kamen 2019 auf den Markt. Das war mehr als hundertfünfzig Jahre nach Jean Pineaus erstem Fass. Was einmal eine importierte Technik aus dem Médoc war, ist damit zu einem eigenen, streng kontrollierten Herkunftssystem geworden. Mehr Stufen als hier kennen die meisten anderen Weinregionen nicht.