Gläser in der Region Rioja

Bordeauxform für Tempranillo

Gläser

Ausgerechnet ein Glas aus Bordeaux passt am besten zu dem Wein, den ein Bordeaux-Winzer 1858 in der Rioja Alavesa mitgeformt hat. Ein hoher Kelch mit geradem, eher schmalem Bauch lenkt den Wein Richtung Zungenmitte und weg von der empfindlichen Spitze, wo Säure und Tannin am schärfsten wirken. Bei einem gereiften Tempranillo mit viel Fassreife ist das kein Zufall, sondern Absicht.

Ein bauchiges, weites Glas, wie man es für zarteren Pinot Noir nimmt, würde hier das Falsche tun. Es spreizt den Wein auf der Zunge breit aus und stellt genau die Säure aus, die ein Rioja Reserva oder Gran Reserva durch Jahre im Fass und in der Flasche bereits abgemildert hat. Der engere Bordeauxkelch sammelt stattdessen, was von Kirsche, Leder und Vanille aufsteigt, und führt es gebündelt zur Nase.

Bei der Temperatur passiert der häufigste Fehler nicht im Weinberg, sondern im Wohnzimmer. Sechzehn bis achtzehn Grad sind richtig für einen Rioja Crianza oder Reserva. Das ist spürbar kühler als die zweiundzwanzig Grad, die ein modernes Zimmer im Winter oft erreicht. Bei Zimmertemperatur drängt sich der Alkohol nach vorn, und das Tannin wirkt trockener, als es müsste. Zwanzig Minuten im Kühlschrank reichen, um das zu korrigieren.

Ein junger Crianza braucht keine Karaffe. Ein Gran Reserva mit fünf oder mehr Jahren Reife dagegen schon, aus zwei Gründen. Er trägt oft Bodensatz, den niemand im Glas haben will, und er ist nach so langer Zeit im Flaschenhals verschlossen wie ein Fensterladen. Eine halbe Stunde Luft öffnet mehr als jedes Schwenken im Glas.

Eingeschenkt wird nie höher als bis zur breitesten Stelle des Kelchs. Das sind bei einem üblichen Rotweinglas rund hundertfünfzig Milliliter. Darüber bleibt der Raum, in dem sich die Aromen nach Jahren im Fass erst sammeln, bevor sie an die Nase gelangen. Wer randvoll einschenkt, nimmt sich genau diesen Raum weg.

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