
Tempranillo & Co.
Rebsorten
Eine Rebe trägt hier fast alles. Tempranillo bedeckt gut achtzig Prozent der rund sechsundsechzigtausend Hektar Rebfläche der DOCa, ihr Name kommt von temprano, früh, weil sie vor fast jeder anderen spanischen Sorte reift. Wo sie steht, entscheidet mehr über den Wein als jede spätere Kellerarbeit.
Vier weitere rote Sorten sind erlaubt, insgesamt aber deutlich seltener. Garnacha bringt Wärme und Fruchtsüße, vor allem in der heißeren Rioja Oriental. Graciano liefert Säure, Farbe und einen eigenen würzigen Duft, verlangt dafür aber viel Sonne und wenig Ertrag. Mazuelo, andernorts als Cariñena bekannt, trägt kräftiges Tannin bei. Maturana Tinta ist trotz ihres alten Namens erst seit 2007 offiziell wieder zugelassen — sie war fast verschwunden, bevor man sie in ein paar übrig gebliebenen Parzellen wiederfand.
Bei den weißen Sorten dominiert seit den Siebzigerjahren Viura, auch Macabeo genannt, mit einer hellen Zitrusnote und wenig Säureverlust bei Hitze. Acht weitere weiße Sorten stehen daneben auf der Liste des Consejo Regulador: Malvasía, Garnacha Blanca, Tempranillo Blanco, Maturana Blanca, Turruntés. Seit einer Öffnung in den Zweitausendern kamen auch Chardonnay, Sauvignon Blanc und Verdejo dazu. Macht zusammen vierzehn zugelassene Rebsorten, fünf rote und neun weiße.
Rioja Alavesa, die kleinste der drei Subzonen, gilt vielen als das Herz des reinsortigen Tempranillo: kleine Parzellen, kühlere Lagen, straffe Weine. In der Rioja Oriental dagegen, wärmer und trockener, spielt Garnacha eine größere Rolle und liefert dort mehr Frucht und mehr Alkohol als im Norden.
Was heute wie eine reine Tempranillo-Region wirkt, war einmal ein Testfeld für Bordeaux. Cabernet Sauvignon, Merlot, Malbec und Pinot Noir kamen 1858 mit Jean Pineau, nicht als Beimischung, sondern als Hauptversuch. Übrig geblieben aus diesem Versuch ist am Ende doch die einheimische Rebe. Fremde Sorten stehen bis heute nur in wenigen historischen Parzellen, nicht in der Fläche.