
Tinta de Toro
Rebsorten
Eine einzige Rebe prägt die roten Weine von Toro: die Tinta de Toro. Genetisch ist sie fast identisch mit dem Tempranillo, der in Rioja und an der Ribera del Duero wächst. Doch hier trägt sie einen eigenen Namen, weil Winzer sie seit Generationen als eigenständige, an ihren Ort angepasste Spielart verstehen.
Trotzdem unterscheidet sie sich spürbar von ihrer Schwester in Rioja. Laut dem Consejo Regulador, der Aufsichtsbehörde der Herkunftsbezeichnung, trägt die Tinta de Toro weniger Ertrag als der Tempranillo anderswo. Dafür bringt sie mehr Tannin mit, den pelzigen Stoff aus der Traubenschale, der sich als trockenes Gefühl am Zahnfleisch zeigt. Ihr Saft ist reich an Kalium, und viel Kalium bindet Säure. Deshalb schmeckt ein Toro-Wein spürbar weniger sauer als ein Rioja aus derselben Rebe. Wird die Beere ganz reif, färbt sich sogar ihr Fruchtfleisch leicht ein, obwohl bei den meisten Rotweinsorten nur die Schale Farbe trägt.
Neben ihr lässt das Regelwerk nur eine zweite rote Sorte zu: Garnacha Tinta. Ein roter Wein aus Toro braucht mindestens fünfundsiebzig Prozent Tinta de Toro, der Rest darf Garnacha sein, die weicher und weniger farbstark ist. Seit einer Änderung des Pliego de Condiciones im Jahr 2021 darf auch Garnacha Tinta allein den Wein tragen: Ein sortenreiner Garnacha braucht dann mindestens fünfundachtzig Prozent, gültig durch alle Reifestufen von jung bis Gran Reserva.
Bei den weißen Sorten galten lange nur zwei Namen: Malvasía Castellana, die man in der Region auch Doña Blanca nennt, und Verdejo. Seit 2021 erlaubt das Regelwerk zusätzlich Albillo Real und Moscatel de Grano Menudo, zwei Sorten mit langer Tradition am Ort. Beide gehörten vorher nie offiziell zur Denominación. Weißwein bleibt in Toro trotzdem die Ausnahme. Die Region lebt von ihrem Roten.
Wo welche Rebe steht, folgt einer alten Regel, die Winzer über Generationen weitergegeben haben. Tinta de Toro wächst am liebsten auf grobkörnigem, steinigem Boden, den man hier cascajo nennt, mit lehmigem Untergrund darunter. Malvasía und Garnacha bevorzugen die sandigeren Lagen. Verdejo kommt fast überall zurecht. Mehr als drei Viertel aller Weinberge stehen noch als Vaso, freistehende Buschreben ohne Draht. Über die Hälfte davon ist zudem älter als vierzig Jahre, ein Alter, das man der Sorte im Glas anschmeckt.