
Kap-Kolonie bis Napoleon
Region & Geschichte
Am 6. April 1652 ankerte Jan van Riebeeck mit drei Schiffen der Vereinigten Ostindischen Kompanie in der Bucht am Fuß des Tafelbergs. Er sollte dort nur eine Versorgungsstation für vorbeifahrende Handelsschiffe aufbauen: Frischwasser, Gemüse, Fleisch. Schon 1655 ließ er die ersten Reben aus Frankreich, dem Rheinland und Spanien pflanzen. Am 2. Februar 1659 trug sein Tagebuch einen einzigen, fast andächtigen Satz ein — zum ersten Mal sei Wein aus Trauben vom Kap gekeltert worden. Bis nach Constantia sollte es aber noch ein Vierteljahrhundert dauern.
Erst 1685 kam Gouverneur Simon van der Stel an die Reihe. Er ließ sich ein Stück Land am Fuß des Constantiaberg zuweisen, gut siebenhundertfünfzig Hektar südöstlich der jungen Kapstadt, und nannte es Constantia, nach der Beständigkeit, die er sich für die junge Kolonie wünschte. Sieben Jahre später stand sein Gutshaus fertig, ein weiß getünchtes Kapholländer-Herrenhaus mit geschwungenem Giebel. Es trägt heute den Namen Groot Constantia, gilt als Nationaldenkmal und als Südafrikas älteste, ohne Unterbrechung produzierende Weinfarm.
Van der Stel starb 1712, und seine Erben zerlegten das Gut. Aus einem Anwesen wurden drei: Groot Constantia blieb der Kern, daneben entstanden Klein Constantia und Bergvliet, das heute Buitenverwachting heißt. Auf allen drei reifte derselbe süße Wein aus Muskattrauben, der bald als Vin de Constance durch Europa reiste. Er lag in Fässern zwischen Gewürzen und Porzellan, auf denselben VOC-Schiffen, die einst nur Wasser holen sollten. Kein anderer Wein aus einer europäischen Kolonie erreichte damals einen vergleichbaren Ruf.
Am europäischen Hof wurde Vin de Constance fast zur Pflicht. Napoleon Bonaparte ließ sich jährlich mehr als tausend Liter davon nach St. Helena schicken, wo er bis zu seinem Tod 1821 im Exil saß. Jane Austen ließ in „Verstand und Gefühl“ ihre Figur Mrs. Jennings den Wein gegen ein gebrochenes Herz empfehlen, und auch Friedrich der Große, Georg IV. von England und später Otto von Bismarck tranken ihn. Für ein Weingut am äußersten Rand der damals bekannten Welt war das ein Ruf, von dem heute kaum eine Region träumen kann.
Dann kam die Reblaus, und mit ihr ein Ende. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts starben die alten Muskatweinberge, und mit ihnen der Wein, den halb Europa gekannt hatte. Fast hundert Jahre blieb Vin de Constance nur eine Fußnote in Weinbüchern, bis Klein Constantia in den Achtzigerjahren begann, das Rezept aus historischen Aufzeichnungen zu rekonstruieren. 1986 kam der erste neue Jahrgang in den Verkauf, wieder aus reinem Muscat de Frontignan. Seit 1973 wacht das staatliche Ursprungssystem Wine of Origin über solche Herkunftsangaben, und Constantia trägt darin heute den Status eines eigenen Wards innerhalb des Distrikts Cape Town.