
Granit & Alluvium
Böden
Grab an einem Hang oberhalb von Franschhoek ein Loch, und die erste Schicht ist schnell durchstochen. Darunter kommt rötlich-oranger, krümeliger Grus, verwitterter Kapgranit, wie er auch unter Stellenbosch und Paarl liegt. Das ist keine dünne Schicht. Sie reicht oft mehrere Meter tief, bevor festeres Gestein folgt. Weiter oben an den steilen Hängen zur Groot-Drakenstein-Kette hin wird der Boden dünner und steiniger, dort tritt zwischen dem Granit stellenweise heller Sandstein aus, derselbe Tafelbergsandstein, der auch die Gipfel bildet.
Unten im flachen Talgrund, entlang des Flusses, sieht die Geschichte anders aus. Dort hat der Berg River über Jahrtausende Sand, Schluff und etwas Ton abgelagert, fruchtbarer als der Granit, aber auch wasserreicher. Reben mögen diesen Talboden zunächst. Sie wachsen dort schnell und tragen viel, doch für konzentrierte Weine ist das selten von Vorteil.
Genau hier liegt der Unterschied. Am Hang liegt der Fall umgekehrt: Der verwitterte Granit lässt Wasser gut ab, speichert aber genug in der Tiefe, um trockene Wochen zu überstehen. Die Rebwurzel muss dafür arbeiten und sich zwischen den verwitterten Kristallen hindurchdrängen, statt bequem im lockeren Talboden zu treiben. Genau diese Anstrengung bremst den Ertrag und schrumpft die Beere.
Kleinere Beeren bedeuten mehr Schale im Verhältnis zum Saft, und in der Schale liegen Farbe, Tannin und ein Großteil der Aromastoffe eines Weins. Deshalb gelten die granitischen Hanglagen als die eigentlichen Herkunftsorte der besten Franschhoeker Semillons und Cabernets. Der Boden bestimmt die Wurzel, nicht umgekehrt.
Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: Der Granit selbst schmeckt nicht im Glas mit. Was ankommt, ist ein Umweg über Wasserhaushalt, Wärmespeicherung und die Tiefe, in die eine Wurzel gezwungen wird, nicht ein Mineralstoff, der geradewegs vom Stein in die Beere wandert.
Dunkler, sandiger Oberboden über dem Grus, in den Hanglagen von Franschhoek meist nur eine Handbreit tief.
Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie nehmen jeden Regen sofort auf und sind ebenso schnell wieder trocken.