Region & Geschichte in der Region Walker Bay

Fischerdorf und Weinberg

Region & Geschichte

Ein Postbeamter gab diesem Ort seinen heutigen Namen, nicht ein Winzer. Hermanus Pieters, ein holländischer Lehrer, weidete hier ab den 1820er-Jahren seine Schafe an einer Quelle direkt an der Bucht. Die Fischer der Gegend nannten die Siedlung bald nach ihm: Hermanuspietersfontein. Ein Name mit vier Silben zu viel für jeden Briefumschlag. 1902 beschwerte sich ein Postmeister über die endlose Schreiberei. Aus Hermanuspietersfontein wurde schlicht Hermanus. Zwei Jahre später bekam der Fischerort Stadtrecht.

Von Wein sprach hier lange niemand. Die Höfe rings um die Bucht hielten Milchvieh, schnitten Fynbos für Reetdächer und lebten vom Fisch. Das blieb so, bis 1975 ein Werbemann aus Johannesburg auftauchte. Tim Hamilton Russell suchte den kühlsten Flecken Südafrikas für Pinot Noir und Chardonnay. Er fand ihn in einem engen Tal hinter Hermanus, das die Bauern schon lange Hemel-en-Aarde nannten. Himmel und Erde, heißt das auf Deutsch. So eng schließen die Berge das Tal ein, dass man von unten kaum etwas anderes sieht.

Er pflanzte 1976, füllte 1981 seinen ersten Jahrgang ab, und rechtlich existierte die Gegend zu diesem Zeitpunkt kaum. Südafrika hatte 1973 mit dem Wine of Origin-System, seiner amtlichen Herkunftskontrolle, gerade erst begonnen, Weinlagen gesetzlich zu vermessen, doch Walker Bay wurde erst 1981 als Ward, die kleinste dieser Herkunftsstufen, dem viel größeren Overberg zugeschlagen. Ein eigener District, die Stufe darüber, kam erst im Mai 2004.

Andere folgten zügig. 1989 gründete der Burgunder Weinhändler Paul Bouchard zusammen mit dem Winzer Peter Finlayson das Weingut Bouchard Finlayson, kaum einen Hügel von Hamilton Russell entfernt. Newton Johnson kam 1995 dazu, Creation 2002, Ataraxia 2004. Mit jedem neuen Keller wuchs auch die Landkarte.

2006 bekamen das Hemel-en-Aarde Valley und das Upper Hemel-en-Aarde Valley eigene Wards, 2009 folgte der Hemel-en-Aarde Ridge, und 2018 sogar ein einziges Weingut namens Springfontein Rim. Sieben Wards trägt der District heute: die drei des Hemel-en-Aarde-Tals, dazu Bot River, Sunday's Glen, Springfontein Rim und die waldigen Stanford Foothills um das alte Dorf Stanford. Ein Fischerdorf, das seinen sperrigen Namen fast verloren hätte, steht heute auf Etiketten, die in London und New York gelistet werden.

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