Alkohol, Allergene und Nährwert

Was drinsteckt

Alkohol, Allergene und Nährwert

12,5 Volumenprozent auf dem Etikett heißt nicht immer exakt 12,5 Prozent im Glas. Beim Alkohol erlaubt das Gesetz eine kleine Toleranz, bei Kalorien und Allergenen dagegen kaum Spielraum. Drei Angaben, drei ganz unterschiedliche Logiken.

Warum der Alkoholwert eine kleine Toleranz hat

Der auf dem Etikett gedruckte Alkoholgehalt muss nicht auf das Zehntel genau mit dem späteren Laborwert übereinstimmen. Die EU erlaubt bei den meisten Weinen eine Abweichung von bis zu 0,5 Volumenprozent nach oben oder unten. Die Angabe gilt deshalb trotzdem nicht als falsch. Ein Wein mit angegebenen 13,0 Prozent darf im Labor also zwischen 12,5 und 13,5 Prozent messen. Niemand müsste deshalb eine neue Etikettenrolle drucken.

Diese Toleranz ist keine Nachlässigkeit, sondern trägt der Natur des Getränks Rechnung. Alkohol entsteht während der Gärung durch lebende Hefen, deren Arbeit sich nicht auf die Nachkommastelle vorhersagen lässt. Selbst nach der Abfüllung verändert sich der Wert durch Reifung minimal weiter. Ein starres Gesetz ohne jede Toleranz hätte Winzer gezwungen, ständig neue Etiketten drucken zu lassen, sobald das Labor eine winzige Schwankung meldet, ein Aufwand, der am Geschmack im Glas ohnehin nichts geändert hätte.

Kalorien: die unsichtbare Angabe, die jetzt sichtbar wird

Wein galt lange als Getränk ohne Nährwertangabe, obwohl er alles andere als kalorienfrei ist. Seit der Reform von Dezember 2023 muss der Energiewert in Kilokalorien oder Kilojoule fest auf jedem Etikett stehen. Das gilt unabhängig davon, ob der Rest der Nährwerttabelle gedruckt oder nur elektronisch bereitgestellt wird. Die meisten Kalorien im Wein stammen dabei nicht vom Zucker, sondern vom Alkohol selbst, der besonders energiereich ist.

Ein trockener Wein mit wenig Restzucker kann deshalb überraschend viele Kalorien liefern, einfach weil der Alkoholgehalt hoch ist. Ein süßer Wein mit niedrigerem Alkoholgehalt liegt manchmal sogar darunter, obwohl er auf der Zunge deutlich süßer schmeckt. Wer beim Wein auf Kalorien achtet, sollte deshalb eher auf den Alkoholwert schauen als auf das Wort „trocken“ oder „süß“ allein. Zwei Gläser mit demselben Volumen können je nach Alkoholgehalt spürbar unterschiedlich viele Kalorien liefern.

Allergene jenseits der Sulfite

Sulfite sind nicht der einzige mögliche Auslöser in einer Flasche Wein, nur der einzige, der fast immer draufsteht. Manche Kellereien klären ihren Wein mit tierischen Hilfsstoffen wie Eiklar oder Milchprotein. Diese Stoffe binden Trübstoffe und werden danach eigentlich wieder aus dem Wein entfernt. In seltenen Fällen bleiben winzige Spuren zurück, die bei entsprechend empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen könnten.

Weil diese Rückstände normalerweise unter der Nachweisgrenze liegen, gilt in der Praxis eine Ausnahme. Nur wenn tatsächlich messbares Eiweiß im fertigen Wein verbleibt, muss es als Allergen ausgewiesen werden. Wer eine bekannte Ei- oder Milchallergie hat, findet auf dem Etikett deshalb selten einen Hinweis. Dabei war im Herstellungsprozess durchaus tierisches Eiweiß im Spiel. Im Zweifel hilft nur die direkte Nachfrage beim Erzeuger oder ein Blick auf ein veganes Siegel, das genau diese Unsicherheit für den Käufer auflöst.

Alkoholfrei und alkoholarm: eigene Regeln

„Alkoholfrei“ darf ein Wein in der EU erst tragen, wenn er höchstens 0,5 Volumenprozent Alkohol enthält, exakt dieselbe Grenze wie bei alkoholfreiem Bier. Erreicht wird das meist durch schonende Verfahren wie Vakuumdestillation, bei denen ein ganz normal vergorener Wein hinterher wieder größtenteils entalkoholisiert wird. Deshalb heißt es auf manchen Etiketten korrekt „entalkoholisierter Wein“ statt einfach „alkoholfreier Wein“. Beide Wörter teilen im Laden trotzdem praktisch dasselbe Regal.

Für Zwischenstufen wie „alkoholarm“ gibt es dagegen keine so scharf gezogene, EU-weit einheitliche Zahl, die Bezeichnung wird uneinheitlicher gehandhabt als die klare Alkoholfrei-Grenze. Wer ganz sicher gehen will, wie viel Restalkohol tatsächlich noch in der Flasche steckt, liest am besten die genaue Prozentzahl direkt neben der Verkehrsbezeichnung, statt sich allein auf ein Werbewort zu verlassen. Diese Zahl ist Pflicht, das Wort daneben dagegen nur eine mehr oder weniger genaue Beschreibung.

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