Die großen Weinländer

Länder im Vergleich

Die großen Weinländer

Am Ende dieser Reise lohnt der Blick auf die ganze Landkarte: Wer baut wie viel Wein an, wer trinkt ihn, und warum unterscheiden sich Fläche und Menge zwischen den großen Weinländern der Erde so deutlich?

Eine schrumpfende Weltkarte

Weltweit standen 2024 noch etwa 7,1 Millionen Hektar Rebfläche, nach Zahlen der Internationalen Organisation für Rebe und Wein, kurz OIV. Das war das vierte Jahr in Folge mit einem Rückgang. Allein in diesem einen Jahr schrumpfte die Fläche um rund 46.000 Hektar. Mehrere Gründe kommen zusammen. Der Weinkonsum sinkt in vielen klassischen Ländern. Kleine Betriebe stehen unter wirtschaftlichem Druck. Und zunehmend macht auch der Klimawandel manche Lagen unwirtschaftlich.

Die Europäische Union bewirtschaftet davon allein fast die Hälfte, etwa 3,2 Millionen Hektar. Europa bleibt damit trotz aller Verschiebungen der mit Abstand größte zusammenhängende Weinbau-Kontinent der Welt. Das gilt, obwohl einzelne asiatische und südamerikanische Länder in den letzten Jahrzehnten kräftig zugelegt haben.

Fläche ist nicht dasselbe wie Menge

Wie viel Land ein Land mit Reben bepflanzt, sagt wenig darüber aus, wie viel Wein am Ende tatsächlich in die Flasche kommt. Spanien zum Beispiel bewirtschaftet traditionell mehr Rebfläche als jedes andere Land der Erde. Bei der tatsächlich erzeugten Weinmenge liegt es aber oft hinter Italien und Frankreich. Der Grund liegt im spanischen Anbau selbst. Viele Weinberge dort sind alt, unbewässert und weit auseinander gepflanzt, nur um in einem trockenen Klima überhaupt zu überleben. Das senkt den Ertrag pro Hektar deutlich.

Italien und Frankreich wechseln sich seit Jahren an der Spitze der weltweiten Produktionsmenge ab. Entscheidend ist dabei, wie günstig oder ungünstig ein einzelner Jahrgang ausfiel. Ein einziger verregneter Sommer reicht schon aus. Eine frühe Frostnacht auch. Beides kann ein Land in der Rangliste um mehrere Plätze nach unten rutschen lassen, ganz ohne dass sich an der Rebfläche selbst etwas geändert hätte.

Alte Riesen, neue Herausforderer

Neben den klassischen Größen Frankreich, Italien und Spanien hat sich die Landkarte in den letzten Jahrzehnten spürbar erweitert. Die USA, allen voran Kalifornien, zählen längst zu den größten Produzenten weltweit. Australien und Chile exportieren einen großen Teil ihrer Ernte gezielt nach Europa und Nordamerika. Dort haben beide Länder etablierte Marken aufgebaut. Viele Käufer kennen diese Marken heute genauso selbstverständlich wie einen klassischen Bordeaux.

China wiederum hat seine Rebfläche innerhalb weniger Jahrzehnte massiv ausgebaut. Es zählt inzwischen zu den Ländern mit der größten Anbaufläche überhaupt. Ein erheblicher Teil davon dient allerdings nicht dem Wein, sondern der Tafeltraube. Diese Verschiebung zeigt trotzdem viel. Das Gewicht der Weinwelt hat sich seit der Jahrtausendwende spürbar von Europa weg verlagert. Seine historische Bedeutung hat Europa dabei aber nicht verloren.

Wonach sich die Karte als Nächstes richtet

Die nächsten Jahrzehnte entscheiden vermutlich mehr über neue Anbaugebiete als über die alten. Länder wie Indien, Brasilien oder Teile Osteuropas bauen ihre Weinwirtschaft gerade erst richtig auf, oft mit importiertem Wissen aus Frankreich, Italien oder Australien. Ob daraus eigenständige Stile mit eigener Handschrift werden oder eher Kopien bekannter Vorbilder, entscheidet sich erst in den kommenden Jahren. Die Landkarte dieser Reise ist also kein fertiges Bild. Sie wird weitergezeichnet.

Was am Ende von dieser Reise bleibt

Terroir, Klimazonen, Höhenlagen, Böden, Klimawandel und Herkunftsgesetze erklären zusammen, warum die Weinkarte der Welt so aussieht, wie sie aussieht. Sie erklären auch, warum sie sich ständig weiterverschiebt. Kein einzelner Faktor für sich reicht aus. Ein perfekter Boden ohne passendes Klima bringt nichts. Ein perfektes Klima ohne rechtlichen Schutz lässt sich leicht kopieren. Und ein geschütztes Gesetz allein macht aus einem Wein noch keinen guten.

Wer diese Reise bis hierhin mitgegangen ist, liest ein Weinetikett danach anders. Ein Ortsname ist dann keine bloße Verzierung mehr. Er ist eine verdichtete Antwort auf all die Fragen, die diese Stationen einzeln beantwortet haben: welcher Breitengrad, welches Klima, welcher Boden, welches Gesetz. Genau darin liegt der eigentliche Sinn von Herkunft im Wein. Sie ist kein Marketingwort, sondern eine der ehrlichsten Informationen, die ein Etikett überhaupt liefern kann.

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